Kruder und Dorfmeister: Für mehr Rauch und Schall(platte)

Die österreichischen Downtempo-Legenden Kruder & Dorfmeister feierten an zwei Abenden in Wien ihr 25-Jahr-Jubiläum.

Seit 25 Jahren arbeiten Peter Kruder und Richard Dorfmeister als Produzenten und DJs zusammen.
© Olga Latowa

Wien –Bis zwei Uhr in der Früh muss man 2019 nicht mehr warten, um Krude­r & Dorfmeister in Aktion zu sehen. Im Wiener Konzerthaus geht’s um 21.15 Uhr los – das passt zum gediegenen Ambiente und auch ein wenig zum Publikum. Peter Kruder und Richard Dorfmeister haben sich zum 25-Jahr-Jubiläum ihrer ersten EP „G-Stoned“ eine Konzerttour geschenkt, die 2018 in New York gestartet wurde und nach Stopps in London, Berlin und anderen Städten auch zwei Auftritte in ihrer Heimatstadt Wien beinhaltet.

Hier begann in den 1990ern das Phänomen K & D: Im Jugendzentrum Ottakring legt­e Peter Kruder das erste Mal Platten auf, in der Grundsteingasse wurde das Label „G-Stone Recordings“ gegründet. Kruder & Dorfmeister verstanden ihre Soundtüfteleie­n damals als Gegenentwurf zur frühen Technowelle, in der brachial­e Beats wichtiger waren als verspielte Details.

Der Erfolg ihrer Down­tempo-Produktionen, die in akribischer Kleinstarbeit im Do-it-yourself-Verfahren entstanden, war groß und schon bald international: Der „Vienna Sound“ wurde zum Exportschlager und Synonym für entspannt­e Elektromusik, das legendäre Album „The K & D Sessions“ wurden in Cafés, Hotels und Bars auf der ganzen Welt rauf und runter gespielt. Madonna und Depeche Mode fragten um Remixe an (für David Bowie hatte man leider keine Zeit), der bekannte britische Radio-DJ Gilles Peterson nannte das Wiener Produzenten-Duo gar „die Beatles der 1990er“. Rund um das Millennium waren K & D auch regelmäßig in Tirol zu Gast und füllten so manche Halle.

Ihre knapp dreistündige Jubiläumsshow bezeichnen Peter Kruder und Richard Dorfmeister explizit als Konzert, nicht als DJ-Gig. Genau damit hadert das Publikum im Wiener Konzerthaus merklich: Jenen, die auf den Rängen sitzen, passiert ein bisschen zu wenig, und jenen, die am Parkett stehen und tanzen, fehlt die Ausgelassenheit einer echten Party (oder anders gesagt: eine Bar, die im Saal Alkohol ausschenkt). Wer sich trotzdem auf die Reise durch 25 Jahre K & D einlässt, genießt den Flow der gewohnt exzellenten Dramaturgie.

Eine besondere Erwähnung haben die Tiroler Visual-Künstler Lichterloh verdient, die Kruder & Dorfmeister auf ihrer Jubiläumstour begleiten und die Klangwelten perfekt ergänzen. (bawo)


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