„La Belle Époque“: Flucht ins Gestern, um das Heute zu entdecken

Der 16. Mai 1974 war der schönste Tag im Leben von Victor Drumond (Daniel Auteuil). Dorthin will der bärtige Zyniker in seinen 60ern wieder ...

Daniel Auteuil sucht in „La Belle Époque“ Wege aus der Gegenwart
© Constantin

Der 16. Mai 1974 war der schönste Tag im Leben von Victor Drumond (Daniel Auteuil). Dorthin will der bärtige Zyniker in seinen 60ern wieder zurück, denn damals lernte er seine Frau Marianne (Fanny Ardant) kennen. In der Gegenwart funkt es zwischen den beiden nur noch beim Streiten. Sie zahlt als erfolgreiche Therapeutin die Miete und holt sich ihre sexuelle Erfüllung anderswo. Er ist irgendwo im analogen 20. Jahrhundert stecken geblieben — und schimpft auf alles Neue. Dabei wäre er als Comic-Zeichner doch gar nicht so weit von zeitgenössischen Trends entfernt, wie ihm sein erfolgreicher Sohn begreiflich zu machen versucht.

Nicolas Bedos' „La Belle Époque" gründet auf einer schönen Idee: Ein Geschäftspartner von Victors Sohn bietet Zeitreisen an. Keine Science-Fiction, sondern als theatrale Inszenierungen für reiche Kunden. Für das nötige Kleingeld kann man Napoleon treffen oder mit Hemingway Whiskey schlürfen. Die Flucht in die eigene Vergangenheit scheint für Victor als Ausweg seiner Daseinskrise. Er taucht wieder ein ins Paris der 70er-Jahre, als er Marianne kennen lernte. Dass die von der On/Off-Freundin des Spielleiters dargestellt wird, verkompliziert den Wiederbelebungsversuch einer einstigen Liebe naturgemäß.

Leider schöpft Bedos im Spiel mit der nostalgischen Nacherzählung nicht das volle Potenzial aus. „La Belle Époque" ist reich an schönen, wahrhaftigen und wehmütigen Momenten, dazwischen aber findet sich viel geschwätziges Füllmaterial und von massivem Musikeinsatz verklebte Montagen. (maw)


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