Die gute Geschichte zum Advent: „Ich wollte einfach nicht aufgeben“

Dass der Weg aus der Sucht ein langer und schwieriger ist, hat Mario J. erfahren müssen. Dank Fußball und Mentlvilla hat er heute wieder eine Zukunftsperspektive.

Mario J. hatte in seinem Leben einige Hindernisse zu überwinden.
© Caritas/Suitner

Innsbruck –Mario J. wuchs mit seiner Schwester in einer Arbeiterfamilie in Vorarlberg auf. Sein Vater war im Tunnelbau tätig, die Mutter hat Schichtarbeit geleistet. Die Kindheit des heute 53-Jährigen war durch die Alkoholsucht des Vaters geprägt. Oft wurden er, seine Mutter und seine Schwester im Rausch vom Vater geschlagen. Mit zehn Jahren entdeckte er die Leidenschaft für den Fußball für sich und hatte nun die Möglichkeit, aufgestaute Aggressionen im Sport abzubauen. Seine Mutter ließ sich später vom Vater scheiden und versuchte mit Müh und Not, die Familie über die Runden zu bringen: „Meine Mutter war mit uns alleine. Die finanzielle Situation war sehr schwierig, aber wir konnten aufgrund seiner Alkoholsucht nicht zu unserem Vater zurück.“

Nach der Hauptschule begann der Vorarlberger eine Lehre als Sticker und Schlosser. Bis zum 16. Lebensjahr hatte Mario sein Leben trotz der schwierigen Umstände gut im Griff, ehe er 1982 in einen Autounfall verwickelt war, den er schwerverletzt überlebte. Doppelter Schädelbasisbruch, Gehirnaustritt und eine Gehirnquetschung waren die Folge. Knapp vier Monate lag Mario im Koma – ein ganzes Jahr seines Lebens fehlt in seiner Erinnerung.

„Nach dem Unfall war nichts mehr, wie es war. Meine Lehre konnte ich nicht mehr weiterführen und im Dorf eilte mir der schlechte Ruf meines Vaters voraus.“ Mario versuchte, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und verließ schließlich Vorarlberg. Es zog ihn durch Österreich, einige Länder Europas bis nach Nordafrika. Über Wasser hielt er sich mit Gelegenheitsjobs. Auf seiner „Reise“ lernte er auch seine Lebensgefährtin Petra kennen. Sie war in einem Substitutionsprogramm und so kam Mario auch in Kontakt mit Drogen – beide schafften aber gemeinsam den Ausstieg. 13 Jahre haben Mario und Petra glücklich zusammengelebt, ehe Petra eines Tages leblos in der Früh in ihrem Bett lag. Da Mario nicht mit ihr verheiratet war und seine Schwiegereltern keinen Kontakt wollten, erfuhr er weder die Todesursache noch den Termin für das Begräbnis – er wusste nur, dass Petra schwanger war, als sie starb: „Sie war die große Liebe meines Lebens. Für mich brach eine Welt zusammen, da ich auch sonst niemanden hatte.“

Drei Jahre versank Mario daraufhin in Alkohol und Drogen, bis er zur Ablenkung wieder den Sport für sich entdeckt hat: „Mir bringt es nichts, wenn ich ihr in den Tod nachziehe, habe ich mir eines Tages gedacht und begann, wieder bei Hobby-Turnieren Fußball zu spielen.“ Aus seiner Lebenskrise halfen ihm auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas-Mentlvilla: „Ohne den Rat der engagierten Mitarbeiter hätte ich den Ausstieg aus den Drogen noch viel schwerer geschafft.“

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Heute lebt Mario in einer kleinen Wohnung in Innsbruck, konsumiert keine Drogen mehr und trinkt nur noch gelegentlich. Seine Geschichte erzählt er, damit die Leute mehr Verständnis gegenüber Menschen mit Suchterkrankungen entwickeln: „Ich finde es nicht fair, wenn jemand sagt, wir sind selbst schuld, weil man ohne Rückhalt schnell in den Drogensumpf hineinfällt. Die Umgebung und der Freundeskreis tragen das Ihre dazu bei.“ Mario hat jedenfalls bewiesen, dass der Ausstieg möglich ist: „Ich habe einen großen Willen und bin sehr stur, ich wollte einfach nicht aufgeben.“ (TT)


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