Weitere Verzögerung? Montag ist für MCI-Neubau „High Noon“

Am Montag entscheidet sich, ob sich das Land mit der Stadt Innsbruck über den MCI-Neubau einigen kann. Ansonsten ist die unendliche Geschichte um eine Facette reicher.

Das MCI platzt aus allen Nähten, der Neubau im zweiten Anlauf ist auf 3300 Studierende ausgerichtet.
© Thomas Boehm / TT

Von Peter Nindler und Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Querschüsse von allen Seiten begleiten den notwendigen Neubau für die unternehmerische Hochschule MCI in Innsbruck. Sie ist derzeit auf fünf Standorte in der Landeshauptstadt verteilt. Wegen einer drohenden Kostenexplosion stoppte der Hochbaureferent des Landes, Johannes Tratter (VP), im Sommer des Vorjahres das ursprüngliche Projekt. Experten haben damals Kosten von rund 132 Millionen Euro hochgerechnet. Der Neubau wurde vorerst auf Eis gelegt, der Prozess für die Realisierung neu aufgesetzt.

Rechtlich hat der Innsbrucker Vergaberechtsexperte und Anwalt Herbert Schöpf das Land beraten und Tratter auch zum Vergabestopp geraten. „Weil das Siegerprojekt kostenmäßig nicht mehr mit den Ausschreibungsvorgaben in Einklang zu bringen war“, wie er gegenüber der TT erklärt. Und ebenfalls Schöpf hat dem Land danach als alternative Vergabeform für den MCI-Neubau den wettbewerblichen Dialog empfohlen. Im so genannten Dialogverfahren wird dabei der Projektpartner in einem mehrstufigen Prozess ausgewählt, wobei es für den zweiten Anlauf für das neue Gebäude wieder einen Architektenwettbewerb gibt. Worin liegt der Vorteil dieser Vorgangsweise? Schöpf: „Zum einen in der Kostentransparenz- und genauigkeit, andererseits erfolgt eine breite Einbindung aller Beteiligten.“

Für LR Johannes Tratter sind diesmal die Kosten von 130 Millionen Euro unverrückbar. Hier hakt auch Herbert Schöpf ein: „Die Architektur, das Gebäude sowie das Raum- und Funktionsprogramm müssen sich an den Kosten orientieren und nicht umgekehrt.“ Der Innsbrucker Anwalt war in den vergangenen Monaten freilich selbst in die Kritik geraten. Weil er das Land seit zweieinhalb Jahren beim MCI rechtlich berät, jetzt allerdings eine entscheidende Rolle bei der Neuausschreibung spielt. Denn sollte mit der Stadt Innsbruck alles klappen, wird mit Ende des Jahres die offizielle Ausschreibung zur Beauftragung eines Projektpartners erfolgen, der nach den Vorgaben des Landes den Wettbewerb durchführen und den Bau umsetzen wird.

Die Vorbereitung dafür betreut Schöpf, hat er doch im Frühjahr 2019 die Ausschreibung des Landes für die „rechtliche Betreuung eines Vergabeverfahrens für die Beschaffung von Planungs- und Ingeneursdienstleistungen und/oder Bauleistungen für das Hochbauprojekt in Innsbruck“ gewonnen. Ein zentrales Auswahlkriterium waren Erfahrungen mit wettbewerblichen Dialogen, Schöpf hat schon einige Verfahren in Gemeinden nach diesem Modell abgewickelt. Sieht er darin nicht selbst gewisse Unvereinbarkeiten bzw. eine schiefe Optik? „Nein, es haben hochkarätige Kanzleien angeboten. Wenn etwas zu beanstanden gewesen wären, hätte niemand gezögert, die Vergabe anzufechten.“

Zuletzt brachte die Stadt Innsbruck den MCI-Neubau aber gehörig ins Wanken. Für die Überlassung des Grundstücks fordert die Stadt wegen des finanziell angespannten kommunalen Haushalts plötzlich einen Baurechtszins. Das Land pocht auf die Einhaltung der bereits im Sommer getroffenen Vereinbarungen: ohne Abgeltung und mit einer Abkoppelung des MCI-Baus vom geplanten Busparkplatz der Stadt Innsbruck. Im Hintergrund ist von finanziellen Forderungen der Stadt Innsbruck in Höhe von sieben bis neun Millionen Euro die Rede.

Am Montag wird verhandelt, scheitern die Gespräche, würde das eine neuerliche Verzögerung des Baustarts um ein Jahr bedeuten. Baubeginn kann nämlich nur in der Niedrigwasserphase des Inns sein. Deshalb wird der Herbst 2021 angepeilt.

Lesen Sie morgen: Wie das Land den MCI-Neubau durchziehen möchte.


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