Hary Prinz im Gespräch: „Steirerkrimis sind gut genutzte Lebenszeit“

Im TT-Interview erklärt Schauspieler Hary Prinz, warum den 54-Jährigen die Arbeit bei den Landkrimis erfüllt und was sein nächstes Projekt ist.

Hary Prinz alias Kommissar Sascha Bergmann erfüllen die Dreharbeiten der Steirerkrimis mit Kollegin Miriam Stein alias Sandra Mohr.
© ORF

Wien – Der dritte steirische ORF-Landkrimi, „Steirerkreuz“, führt Kommissar Sascha Bergmann ins Mürzer Oberland, und zwar zu den dunklen Geheimnissen einer der reichsten Familien dieser Region. Ein Familienmitglied wird dort erwürgt aufgefunden. Als Bergmann ist natürlich wieder Hary Prinz zu sehen.

Wie würden Sie die steirischen Krimis in ein paar Worten beschreiben?

Hary Prinz: Sie sind verschroben, lustig, spannend und sexy. Für mich persönlich ist es gut genutzte Lebenszeit, Steirerkrimis zu drehen.

Und wie sehen Sie den Krimineser Sascha Bergmann?

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Prinz: Er ist ein hedonistischer Kommissar, der gerne Frauen nachschaut, gerne gut isst, das Leben genießt. Bei ihm hat sich ein gewisser Zynismus angehäuft, also hat er sich einen bösartigen Humor zugelegt.

„Steirerkreuz“ ist für Sie Nummer drei der Steirerkrimis. Hat sich im jetzigen dritten Teil etwas Wesentliches verändert?

Prinz: Etwas sehr Wesentliches, und zwar durch den Einstieg der ARD. Im Deutschen Fernsehen dürfen Kommissare nämlich, in Absprache mit dem Gesundheitsministerium, nicht mehr rauchen. Also mussten sich Maria und Wolfgang Murnberger, die beiden Autoren, die Frage stellen: Was mach’ ma jetzt? Denn das Rauchen passte sehr gut zur Figur. E-Zigaretten als Ersatz? Nicht unbedingt das Richtige. Und durch Nikotinkaugummi wird Bergmann noch grantiger als sonst. Aber der Hedonismus ist geblieben.

Krimis sind für die Fernsehstationen zum täglichen Brot geworden. Warum, glauben Sie, werden solche Mengen an Krimis gedreht?

Prinz: Weil dies das Format ist, wo so vieles an Gut und Böse möglich ist. Und weil es eben das Schlimmste ist, sein Leben zu verlieren.

Wie war es, im Mürztal zu arbeiten?

Prinz: Faszinierend, denn fast wie in Kanada fährt man ewig lange nur durch den Wald. Man findet dort „vergessene Orte“, wo es nach wie vor Patriarchen gibt. Alles riecht noch nach wie vor Jahrhunderten. Trotz Kommerzialisierung hat man nie das Gefühl, dass man sich im 21. Jahrhundert befindet.

Schauplatz ist auch ein Bordell ...

Prinz: Ein echtes. Und die Leute aus der Gegend erzählen, dass sich dort Männer mit Hubschraubern einfliegen lassen. Der Preis für Flug inklusive Dame soll 500 Euro betragen.

Was haben Sie sonst mittlerweile gedreht?

Prinz: Den Kinofilm „Enfant terrible“ unter Oskar Roehler. Es geht um Rainer Werner Fassbinder, Ikone des deutschen Films und nicht unbedingt einer der umgänglichsten Menschen. Er wird von Oliver Masucci verkörpert, ich habe die zweite Hauptrolle gespielt, den vielseitigen Kurt Raab, der an 31 Fassbinder-Projekten beteiligt war und mit 46 Jahren im Hamburger Tropeninstitut einer Immunschwäche erlag. Wir haben sehr artifiziell gearbeitet, alles entstand im Studio in München. Auch Szenen, die in Cannes oder in der Wüste spielten. Ein Kölner Straßensprayer war für die Kulissen verantwortlich.

Eva Mattes ist als Schauspielerin Brigitte Mira zu sehen ...

Prinz: Eva selbst hat noch mit Fassbinder gearbeitet, und sie erzählte einiges über die eigenartige Atmosphäre bei ihm. Wenn er zum Beispiel im Restaurant saß und schwieg, haben alle anderen auch nicht gewagt zu reden.

Sogar Karlheinz Böhm hat bei Fassbinder gespielt. Hatte er wenigstens vor dem Respekt?

Prinz: Ich habe zufällig Katharina Böhm, die Tochter von Karlheinz, in Köln getroffen. Als ich ihr von diesem Projekt erzählte, rief sie sofort: „Und du spielst sicher Kurt Raab!“ Und zum Thema Respekt erzählte sie: Obwohl er den Dirigenten Karl Böhm, den Vater von Karlheinz, sehr verehrte, war er auch ihm gegenüber gnadenlos. „Mein Vater“, so Katharina, „musste Yoga machen, weil ihn Fassbinder so mies behandelt hat.“

Das Gespräch führte Ludwig Heinrich


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