Wunden, die nicht heilen

Horror aus Haiti: Kettly Mars’ Roman „Der Engel des Patriarchen“.

Kettly Mars zählt zu den wichtigsten Autorinnen Haitis. Foto: imago
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Innsbruck –Bilder, die ­ihre Position verändern, Texte, die von Geisterhand weitergeschrieben werden – und beunruhigende Botschaften bergen, krumme Deals von einst, die nachwirken, Szenen von wuchtiger Sinnlichkeit. Man glaubt, das ­Geschilderte riechen und schmecken zu können. Und man merkt, dass einiges nicht stimmt. Nicht stimmen kann. Bloß, was? Kettly Mars’ „Der Engel des Patriarchen“ ist oberflächlich betrachtet eine Schauerstory, ein Reißer. Und auf den zweiten Blick eine politische Parabel, die Geschichte und Gegenwart Haitis in eine Geschichte packt. Eine Familie wird verfolgt. Ein dunkler Engel geht um. Das kann man symbolisch lesen – es geht um generationenübergreifenden Missbrauch und Wunden, die nicht heilen wollen – oder schlicht als schleichenden Schocker. Kurzum: was für eine ­Entdeckung! (jole)

Roman Kettly Mars: Der Engel des Patriarchen. Litradukt, 252 Seiten, 15,50 Euro.

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