Bei Heiserkeit ist die Kälte oft, aber nicht immer schuld

Kehlkopfkrebs ist selten – trotzdem könnte man die Symptome in der Schnupfenzeit übersehen, wie HNO-Arzt Jan Andrle erklärt.

Jan Andrle (HNO-Facharzt, BKH Reutte): „Heiserkeit, die bis zu drei Wochen dauert, ist normal. Dann sollte man das schon abklären.“
© Fotostudio René

Von Theresa Mair

Reutte –Es ist kompliziert: Einerseits ist in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Neuerkrankungen an Kehlkopfkrebs um jährlich vier Prozent gesunken. Andererseits sind nicht häufig, aber doch auch Frauen zunehmend von der einstigen „Männertumor­erkrankung“ betroffen, wie Jan Andrle, HNO-Facharzt am BKH Reutte, schildert.

Laut Tumorregister Tirol erkranken im Schnitt fünf Frauen und 25 Männer pro Jahr neu an Kehlkopfkrebs. Das Erkrankungsalter liegt meist jenseits der 60. Jedoch kann es auch Jüngere treffen. „Einer der Hauptgründe für das Auftreten dieser Tumorart ist Tabak­konsum. Richtig gefährlich wird es, wenn zu Nikotin dann noch vermehrt Alkohol hinzukommt. Diese Kombination lässt das Risiko erneut erheblich steigen“, erläutert Andrl­e. Allerdings könne man es durch einen Rauchstop­p auch wieder deutlich senken. „Mit dem Rauchen aufzuhöre­n, zahlt sich immer aus – auch wenn man bereits die Krebsdiagnose hat, verbessert das die Prognose.“ Eltern können den Nachwuchs außerdem schützen, indem sie ihre Kinder gegen HPV impfen lassen. „Die HPV-Impfung ist wichtig, weil sich bei HNO-Tumoren die Beteiligung von humanen Papillomaviren zeigt.“

Jan Andrle (HNO-Facharzt, BKH Reutte): „Heiserkeit, die bis zu drei Wochen dauert, ist normal. Dann sollte man das schon abklären.“
© Fotostudio René

Andrle macht nun zum Auftakt der Erkältungssaison mit einer Aussendung auf Kehlkopfkrebs aufmerksam, denn die Symptome gleichen sich: Heiserkeit, Halsschmerzen, Fremdkörpergefühl im Rachen mit Räusperzwang. „Bis zu drei Wochen ist das normal, dann sollte man diese Anzeichen schon abklären. Es muss dann trotzdem nicht gleich die Diagnose Krebs im Raum stehen“, so Andrle. Während viele Patienten sich mittlerweile schon früh untersuchen ließen, würden manche die Symptome aber noch immer lange Zeit ignorieren.

Erst wenn der Krebs bereits Metastasen in den Halslymphknoten gebildet hat, sind diese durch harte Knoten von außen ertastbar. Mit einer Kehlkopfspiegelung könne man jedoch den gesamten Rachenraum „sehr schnell, einfach und schmerzfrei“ vom HNO-Facharzt untersuchen lassen. Dabei wird der Kehlkopf mit einem starren Lupenlaryngoskop vom Racheneingang im 70- bis 90-Grad-Winkel untersucht. Eine andere Möglichkeit ist eine flexible Endoskopie durch die Nase. Wird ein auffälliger Befund festgestellt, erfolgt eine weitere endoskopische Abklärung in Voll­narkose.

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Nimmt man die Warnsignal­e ernst, dann bestehen gute Heilungschancen. „Kehlkopfkrebs ist eine der wenigen Krebserkrankungen, die sich sehr bald und recht deutlich bemerkbar machen. Im Frühstadium können wir gut bestrahlen oder relativ schonend operieren.“ Nach einer Operation beurteile ein Pathologe das Gewebe. Je nachdem, ob humane Papilloma­viren beteiligt sind oder nicht, kann sich die Weiterbehandlung unterscheiden. Dafür stehen Kombinationen von Chemo-, Strahlen- und Immuntherapie zur Verfügung. Das Vorgehen werde in interdisziplinären Tumorboards für jeden einzelnen Patienten abgestimmt.

Bei kleinen Tumoren kann schon eine Strahlentherapie ausreichen. „Die Stimme bleibt gut erhalten. Bei größeren OPs oder Kombination einer Bestrahlung mit Chemotherapie können die Stimmlippen eventuell auch erhalten bleiben. Sie sind dann zwar oft verdickt und die Stimme rauer, aber ein normales Sprechen ist möglich“, erklärt der Experte.

Manche Tumore schädigen aber den Nerv und verursachen eine Stimmband-Parese. Dann sei die Stimme nicht zu retten. Es gibt jedoch Techniken (z. B. Ruktus) und Prothesen (Stimmprothese, Elektrolarynx), mit denen sie ersetzt werden kann – auch für den Fall, dass der Kehlkopf entfernt werden muss. „Meist wird schon bei der OP eine Stimmprothese gesetzt, damit man das neue Sprechen relati­v rasch erlernen kann.“


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