Tiroler Speed-Ass Venier: „Jetzt wird‘s Zeit für uns Ladys“

Als letzte Skirennläufer starten nun die schnellen Damen in die Weltcup-Saison – mit Österreichs Erfolgsteam auch die Tirolerin Stephanie Venier.

Warten, bis es losgeht: Stephanie Venier ist längst bereit für die neue Saison, vor allem nach ihren starken Vorjahresergebnissen.
© Venier

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck –„Also, so spät war es noch nie, glaube ich“, sagt Stephanie Venier. „Vor dem ersten Rennen war ich schon seit Jahren nicht mehr auf dem Christkindlmarkt.“ Als letzte aller Weltcup-Skirennläufer starten Abfahrerinnen und Super-G-Damen am Freitag in Lake Louise in die neue Saison. „Zumindest hatte ich dadurch erstmals etwas Winterstimmung vor dem Start“, sagt die Oberperferin und lacht. Außerdem sei sich vor der Abreise Richtung Übersee so zumindest noch eine Skitour samt Intervalltraining am Hausberg Rangger Köpfl ausgegangen. „Aber jetzt wird’s Zeit für uns Ladys“, stimmt Venier an.

Die Ungeduld vor den ersten Saisonrennen (2 x Abfahrt, 1 x Super-G) in Lake Louise ist deutlich hörbar – und nachvollziehbar. Immerhin war die vergangene Saison so erfolgreich wie keine andere zuvor. Die 25-Jährige feierte in Garmisch ihren ersten Weltcupsieg, wurde Dritte in Cortina, schaffte in sieben von acht Abfahrten Top-9-Plätze (Cortina II/13.) – und damit Rang zwei im Abfahrtsweltcup. Einzig geschlagen von Teamkollegin Nicole Schmidhofer. „Es war echt eine super Saison, außer eben die WM“, spricht die Vizeweltmeisterin von St. Moritz 2017 die fehlenden vier Hundertstelsekunden auf WM-Bronze bei der Åre-Abfahrt 2019 an. „Aber es hat geheißen, ein vierter Platz bei einem Groß­ereignis gehöre zu einer erfolgreichen Karriere.“

Ausblick in den Winter: Stephanie Venier will wieder aufs Podest.
© gepa

Schon im ersten Rennen vor einem Jahr in Lake Louise hatten ihr als Vierte sieben Hundertstelsekunden auf das Podest gefehlt. Nicht nur die gilt es heuer wettzumachen: „Ich will mich im Super-G weiter verbessern und an meine Leistungen aus dem Vorjahr anschließen. Dass eine Kugel (Anm. Disziplinen-Weltcupsieg) irgendwann hermuss, ist auch klar, aber ich habe keinen Stress, ich fahre ja noch länger Rennen.“

Erstes Ziel bleibt naturgemäß kürzer, also schneller zu fahren. Vor allem am Start, sagt Venier, habe sie mit Viedeoanalysen und speziellem Training einiges probiert: „Denn wenn du in den ersten drei Sekunden gleich zwei Zehntelsekunden verlierst, brauchst du eigentlich gar nicht mehr zu fahren. Meine Devise lautet: nicht hudeln und mit lockerem Vollgas starten. Dann sollt’s passen.“

Der Vergleich im Training mit der internen Konkurrenz kann Venier sicher machen: Österreichs Speed-Damen waren vergangene Saison die Besten: Bei jeder Weltcup-Abfahrt bzw. jedem Super-G stand zumindest eine ÖSV-Dame am Podest. Schmidhofer gewann nach dem Auftakt-Doppel in Lake Louise die Abfahrtswertung vor Venier und Ramona Siebenhofer (Doppelsiegerin Cortina). Dazu stand Tamara Tippler am Podium, Mirjam Puchner gewann die Abschlussabfahrt in Soldeu (AND).

„Das pusht einen schon, wenn man in so einem starken Team fährt“, sagt Venier. Sie genieße das Mannschaftsgefüge. Von Lagerkoller zunächst in Copper Mountain (USA) und jetzt in Lake Loui­se (CAN) also keine Spur. „Wir kommen alle sehr gut miteinander aus, lustig haben wir es oft“, erzählt die Tirolerin mit dem Faible für Fellbommel auf der Mütze. Nur manchmal müsse sie sich selbst etwas bremsen, gesteht sie grinsend. Mit Zimmerkollegin Siebenhofer verstehe sie sich so gut, dass sich beide unlängst gegenseitig ein Sprechverbot auferlegten – Venier augenzwinkernd: „Sonst würden wir wohl die Nächte durchquatschen.“


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