Forscher warnen: Aktuelles Jahrzehnt wärmstes seit Messbeginn

Das zu Ende gehende Jahrzehnt ist mit größer Wahrscheinlichkeit das heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen. Seit den 1980-er Jahren sei jedes Jahrzehnt wärmer geworden als das vorangegangene. In Madrid ringen die Delegationen aus 196 Staaten und der EU um neue Klimamaßnahmen.

Beim Klimagipfel in Madrid sollen Maßnahmen der vergangenen Konferenz präzisiert werden. Im kommenden Jahr sollen dann große Entscheidungen anstehen.
© GABRIEL BOUYS / AFP

Genf, Madrid – Die Durchschnittstemperatur der Jahre 2010 bis 2019 ist der Weltwetterorganisation (WMO) zufolge mit größter Wahrscheinlichkeit höher als je zuvor in einem Jahrzehnt seit Beginn der Messungen gewesen. 2019 dürfte das zweit- oder drittwärmste Jahr werden, berichtete die Organisation am Dienstag bei der UN-Weltklimakonferenz in Madrid in ihrem vorläufigen Klima-Statusreport.

Die Durchschnittstemperatur lag 2019 demnach etwa 1,1 Grad über dem Niveau der vorindustriellen Zeit (1850-1900). Die Einschränkung „mit größter Wahrscheinlichkeit“ ist nötig, weil das Jahr noch nicht zu Ende ist. Seit den 1980er-Jahren sei jedes Jahrzehnt wärmer gewesen als das jeweilige davor, hieß es von der WMO.

CO2-Konzentration nimmt alarmierend zu

Wie die Organisation bereits am 25. November berichtete, nahm die Konzentration klimaschädlicher Treibhausgase in der Atmosphäre weiter bedrohlich zu. Die CO2-Konzentration stieg binnen eines Jahres von 405,5 ppm (Teilchen pro Million Teilchen) auf einen Rekordwert von 407,8 ppm.

Die Durchschnittstemperatur der Ozeane sei ebenfalls auf Rekordwert, und die Ozeane seien 26 Prozent saurer als zu Beginn der Industrialisierung. „Wenn wir nicht dringend etwas unternehmen, steuern wir auf einen Temperaturanstieg von mehr als drei Grad bis Ende des Jahrhunderts zu, mit immer schädlicheren Folgen für die Menschen“, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas.

Gletscherforscher appellieren an Madrid-Teilnehmer

Einen Appell für verstärkte Anstrengungen bei der Beobachtung der antarktischen und arktischen Eisschilde sowie der Gletscher weltweit richten indes 39 Wissenschafter im Fachjournal Nature an die Teilnehmer der 25. UN-Klimakonferenz in Madrid. Die momentane Geschwindigkeit des Abschmelzens sei „beispiellos“, die Auswirkungen auf die Wasserversorgung und den Meeresspiegel voraussichtlich groß.

Gerade Massenveränderungen von Gletschern seien ein wichtiger Indikator für klimatische Veränderungen. Seit 1960 hat der Temperaturanstieg dafür gesorgt, dass Gletscher weltweit insgesamt rund 9.000 Gigatonnen Eis verloren haben, heißt es in dem von Michael Zemp von der Universität Zürich verfassten Artikel. Diese Eismasse würde ausreichen, um die Fläche von ganz Spanien unter einer 20 Meter dicken Eisschicht verschwinden zu lassen.

Eisverlust der Gletscher lässt Meere anschwellen

Damit hat alleine der Eisverlust der Gletscher den Meeresspiegel schon jetzt um rund drei Zentimeter ansteigen lassen, heißt es in dem Schreiben, dem sich mit Andrea Fischer vom Institut für Interdiszplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Rainer Prinz von der Universität Innsbruck auch zwei österreichische Forscher angeschlossen haben.

Geht das Tauen unvermindert weiter, würden bis zum Jahr 2300 voraussichtlich nahezu alle Gletscher weltweit Geschichte sein. „Die Gletscherschmelze wird die Verfügbarkeit von Trinkwasser erheblich beeinflussen und das Risiko für regionale Umweltkatastrophen erhöhen“, schreibt Zemp.

Nicht zuletzt werde der Anstieg des Meeresspiegels Millionen von Menschen in Küstenregionen ihres Lebensraumes berauben. Das werde Menschenleben kosten, die Lebensqualität vielerorts verringern und wichtige kulturelle Stätten verschwinden lassen. Es sei daher vor allem mit Blick auf künftige Generationen von größter Bedeutung den Klimawandel einzudämmen.

Ringen um ehrgeizigere Klimapläne

In Madrid findet derzeit die 25. UN-Klimakonferenz mit Delegationen aus 196 Staaten sowie der EU statt. Dort sollen ehrgeizigere Klimaschutzpläne vorbereitet werden. Kommende Woche werden dort Minister aus vielen Ländern erwartet. (APA, dpa)

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen dazu im ZiB2-Interview:


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