Geschlechter, Elternbildung, Migranten: Details aus der neuen PISA-Studie

Schüler mit Migrationshintergrund schneiden in Österreich weiter deutlich schwächer ab als jene, deren Eltern in Österreich geboren wurden. Etwas Bewegung hat es bei den Geschlechterunterschieden gegeben.

Der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund ist in Österreich den vergangenen Jahren gestiegen, von elf Prozent beim ersten PISA-Test im Jahr 2000 auf mittlerweile 23 Prozent.
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Wien, Paris – In Österreich schneiden Schüler mit Migrationshintergrund bei der PISA-Studie nach wie vor deutlich schlechter ab als Jugendliche, deren Eltern in Österreich geboren wurden. In den vergangenen Jahren gab es eine Annäherung bei der Leistung, anschließend wieder ein Auseinanderdriften. Seit 2015 blieb die Kluft gleich.

Der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund ist in Österreich den vergangenen Jahren gestiegen, von elf Prozent beim ersten PISA-Test im Jahr 2000 auf mittlerweile 23 Prozent. Bei PISA haben sie über alle Jahre stets weniger Punkte erreicht, der Abstand zu den Schülern ohne Migrationshintergrund ist allerdings deutlich kleiner geworden: Im Lesen sank er etwa zwischen 2000 und 2012 von 93 auf 51 Punkte, 2015 gab es wieder einen Anstieg auf 64 Punkte. Dieser Abstand ist diesmal praktisch gleich geblieben (63).

Hoher Nachteil zulasten von Migrantenkindern

Mit diesem Abstand von 63 Punkten gehört Österreich zu jenen Ländern mit den größten Leistungsnachteilen zulasten der Migranten. Höher ist er noch in Finnland (92), Schweden (83), Island (74), den Niederlanden (72) und Dänemark (65), gleich groß in Deutschland und Slowenien.

Wird der signifikant niedrigere sozioökonomische Status dieser Gruppe herausgerechnet, bleiben noch 37 Punkte Leistungsunterschied. Auch bei dieser Betrachtungsweise gehört Österreich zu jenen Ländern mit den größten Unterschieden.

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Elternbildung: Abstand verringerte sich etwas

Deutlich ist auch der Unterschied der Schülerleistungen je nach Bildungsabschluss der Eltern: Im Lesen erreichten Akademikerkinder in Österreich im Schnitt 509 Punkte, Kindern von Eltern mit Matura als höchstem Abschluss 491 Punkte, Kinder von Eltern mit Lehre/Berufsbildende Mittlere Schule/Meisterprüfung 473 Punkte und Kinder von Eltern mit höchstens Pflichtschulabschluss nur 420 Punkte.

Dieser Abstand von 89 Punkten zwischen höchstem und niedrigstem Abschluss ist etwas niedriger als 2015 – allerdings nicht statistisch signifikant. Zu erklären ist er übrigens mit schlechteren Leistungen der Akademikerkinder bei gleichbleibender Performance der Kinder von Personen mit nur Pflichtschulabschluss

Mädchen beim Lesen vorne, Burschen in Mathe

Etwas Bewegung hat es bei den Geschlechterunterschieden in Österreich gegeben: Im Lesen stieg der Leistungsvorsprung der Mädchen (499 Punkte) gegenüber den Burschen (471) von 20 Punkten im Jahr 2015 auf nunmehr 28 Punkte an – das ist allerdings statistisch nicht signifikant und liegt in etwa im OECD-Schnitt (30 Punkte).

In der Mathematik fallen die Geschlechtsunterschiede zugunsten der Burschen aus, sind aber geringer als im Lesen: In Österreich kamen die Burschen (505 Punkte) in Österreich im Schnitt auf 13 Punkte mehr als ihre Altersgenossinnen (492). In der OECD ist Österreich damit hinter Kolumbien und Italien das Land mit der drittgrößten Geschlechterdifferenz zugunsten der Burschen (OECD-Schnitt: fünf Punkte). Umgekehrt hat sich die Geschlechterkluft zugunsten der Burschen in den Naturwissenschaften seit 2015 fast geschlossen: War Österreich 2015 noch das Land mit den größten Leistungsvorteilen der Burschen (19 Punkten), sind diese nun praktisch verschwunden: Mädchen (489) erreichten 2018 praktisch den gleichen Punktewert wie Burschen (491). Auch OECD-weit liegen die beiden Geschlechter in den Naturwissenschaften gleichauf. (TT.com, APA)


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