„Goldener Windbeutel“: Das sind die dreistesten Werbelügen 2019

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat zum neunten Mal zur Wahl gerufen und auch dieses Jahr haben fast 70.000 Teilnehmer über die dreisteste Werbelüge abgestimmt. Und – Trommelwirbel – der Goldene Windbeutel 2019 geht an ...

„Eltern kaufen Bio-Produkte, um ihren Kindern etwas Gutes zu tun – aber Zwergenwiese jubelt Kindern eine Extra-Portion Zucker unter und nutzt das Vertrauen der Eltern aus“, sagt Manuel Wiemann, Wahlleiter beim Goldenen Windbeutel 2019.
© foodwatch/picture alliance/Udo F

Innsbruck – Reingelegt wird niemand gerne. Aber auch im Supermarkt werden Verbraucher regelmäßig durch Werbelügen und Mogelpackungen von den Herstellern getäuscht. Doch das bleibt nicht ungesühnt – via Verleihung des Negativpreises „Goldene Windbeutel“ der deutschen Verbraucherorganisation Foodwatch.

Abgeräumt hat die zweifelhafte Ehrung dieses Jahr die „Kinder-Tomatensauce“ von Zwergenwiese. Und dies mit ziemlichem Vorsprung. Von knapp 70.000 Stimmen, die Verbraucher auf der Plattform goldener-windbeutel.de abgegeben haben, gingen 36.721 Stimmen (dies entspricht etwa 53,2 Prozent der gültigen Stimmen) an die vermeintlich speziell für Kinder geeignete Tomatensauce.

Hersteller Zwergenwiese erweckt bei Eltern den Eindruck, die Rezeptur der Tomatensauce sei kindgerecht. Tatsächlich enthält die Sauce fast 20 Gramm Zucker pro Portion. Das ist mehr als doppelt so viel wie die normale Zwergenwiese-Tomatensauce für Erwachsene. Laut den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation für Kindermarketing sollten nur (Tomaten-)Saucen ohne Zuckerzusatz an Kinder beworben werden.

Auch auf den weiteren Plätzen wenig Schmeichelhaftes

✘ Platz 2 der Abstimmung belegt „Yakult Original“ von Yakult (18.036 Stimmen, 26,1 Prozent). Aus Sicht von Foodwatch ist Yakult vor allem eines: dreiste Abzocke für 8,40 Euro pro Liter. Effekte auf die Darmgesundheit der im Getränk enthaltenen 6,5 Milliarden Shirota-Milchsäurebakterien seien demnach wissenschaftlich nicht belegt, so die Verbraucherorganisation. Für sie ist der Drink unterm Strich nur verdünnte Milch mit nutzlosen Bakterien. Außerdem stecken in einer Mini-Flasche fast neun Gramm Zucker.

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© Foodwatch

✘ Platz 3 geht an den „100% Bio Direktsaft Karotte“ von Hipp (5133 Stimmen, 7,4 Prozent). Hipp hat die Flasche seines Karottensaftes für Babys von 500 auf 330 Milliliter verkleinert. Der Preis hat sich dabei um 95 Prozent erhöht – auf 4,50 Euro je Liter. Die Rezeptur blieb nahezu identisch, dem Karottensaft wurde lediglich ein Prozent Zitronensaft hinzugefügt. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat den Saft ob der versteckten Preiserhöhung bereits zur Mogelpackung des Monats September gekürt.

✘ Platz 4 heimsen die „Wasabi Erdnüsse“ von Rewe Beste Wahl (4635, 6,7 Prozent). Die Erdnüsse von Rewe werden auf der Schauseite groß mit Wasabi beworben. Leider enthält das Produkt aber nur 0,003 Prozent des edlen japanischen Gewürzes. Um eine Wasabi-ähnliche Schärfe und Farbe zu erreichen, hilft Rewe offenbar mit einem „Aroma Typ Senf“ und Farbstoff nach, wie Foodwatch vermutet. Der Name, die Farbgebung der Verpackung und die Farbe des Teigmantels suggerieren aber echtes Wasabi. Zudem enthält das Produkt nur 27 Prozent Erdnüsse.

✘ Nur für Platz 5 reicht es für den „Corny Protein Lower Carb“ von Schwartau. Und dies obwohl Hersteller Schwartau mit Angaben wie „Protein“ und „Lower Carb“ sowie dem an Light-Produkten angelehnten Design den Eindruck erweckt, der Riegel sei ein gesundes Produkt für Sportler. Doch Corny enthält 24 Prozent Zucker und 13 Prozent Fett. Und besteht zu 40 Prozent aus Kohlenhydraten – trotz „Lower Carb“.

Schummelmelder nutzen

Im vergangenen Jahr wählten Verbraucher das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola zur „Werbelüge des Jahres“. Wer sich durch Luftverpackungen, vermeintlich „natürliche“ Lebensmittel voller Zusatzstoffe, versteckte Preiserhöhungen oder angeblich „gesunde“ Zuckerbomben behumpst fühlt, hat auf schummelmelder.de, der Foodwatch-Beschwerdeplattform, die Möglichkeit derlei Ärgernisse hochzuladen. (TT.com)


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