Junge Forscher wuchsen im Außerfern zu Gletscherexperten heran

Zwei Jahre forschten Schüler der NMS Königsweg mit Wissenschaftern der Uni Innsbruck. Jetzt ist das Abenteuer beendet, die Wehmut groß.

Die Schüler durften zum Abschluss ihres Abenteuers im Natur-Eis-Palast am Hintertuxer Gletscher in die Tiefen der Eiswelt abtauchen.
© NMSK

Von Simone Tschol

Reutte –„Als wir im Herbst 2017 das erste Mal von Bio-Albedo gehört haben, verstanden wir nur Bahnhof“, erklärten Schüler der NMS Königsweg Montagabend bei der Abschlussveranstaltung ihres Forschungsprojekts „Black.Ice“. Heute auf Bio-Albedo oder Blutschnee angesprochen, sprudelt das Fachwissen geradezu aus den Teenagern heraus.

Um Jugendliche für die Forschung zu begeistern, wurde 2007 vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft das Forschungsprogramm „Spark­ling Science“ ins Leben gerufen. Daran beteiligt ist auch die Universität Innsbruck. Die Außerferner Schüler arbeiteten zwei Jahre Hand in Hand mit den Wissenschaftern des Instituts für Ökologie. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Mikrobiologin, Gletscher- und Polarforscherin Birgit Sattler nahmen sie eine bislang noch völlig unterschätzte Ursache für die Gletscherschmelze unter die Lupe – das Phänomen der Bio-Albedo. Weiße Gletscheroberflächen reflektieren die Sonnenstrahlung. Kommt es jedoch zu einer Verfärbung, wird das Licht absorbiert und der Gletscher erwärmt sich, was zur Schmelze führt. Gletscheroberflächen sind Lebensraum für eine Vielzahl mikrobieller Gemeinschaften wie Bakterien, Algen oder Pilze, wobei sich vor allem Algen mithilfe einer starken Pigmentierung vor der hohen Strahlungsdosis schützen und somit zu einer Verdunkelung der Eisoberfläche beitragen. Dieser biologisch induzierte Effekt wird Bio-Albedo genannt.

Birgit Sattler, wissenschaftliche Leiterin, war vom Wissensdurst der Schüler begeistert.
© NMSK, Tschol

Ziel von „Black.Ice“ war es, erstmals für einen alpinen Gletscher den Effekt und die Rolle von Mikroorganismen im Zusammenhang mit Gletscherschmelze zu definieren.

Und die Schüler waren dabei nicht nur Statisten – ganz im Gegenteil. So wurden zwei Tage lang am Jamtalgletscher Proben genommen und diese später im Labor der Uni Innsbruck untersucht, Ergebnisse ausgewertet und dokumentiert. „Für uns ist so eine Kooperation mit Schülern immer ein Sprung ins kalte Wasser. Man weiß nie, ob die Thematik zu komplex ist. Aber was hier auf die Beine gestellt wurde, ist außergewöhnlich. Die Jugendlichen waren mit großem Ernst bei der Sache, haben hohes Verantwortungsgefühl bewiesen und waren enorm wissbegierig“, beschreibt Birgit Sattler die Zusammenarbeit. Das Engagement blieb auch in Wien nicht unbeachtet. So wurden die Jugendlichen vom Bundesministerium mit dem IMST-Award (Innovationen machen Schulen top) ausgezeichnet.

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Einen Teil des dort gewonnenen Preisgeldes – 300 Euro – spendeten die Schüler an die Organisation DEBRA, welche Schmetterlingskinder unterstützt. Durch zusätzliche Spenden und den Verkauf von Bildern beim Abschlussabend konnte Alois Egger aus Imst, selbst von der Schmetterlingskrankheit betroffen, 570 Euro entgegennehmen. „Vielleicht findet man in den nächsten 15 bis 20 Jahren etwas, das das Leid der Schmetterlingskinder lindern kann“, gibt sich der 24-Jährige optimistisch.

Auf Wunsch der Projektgruppe konnte Gerda Bubendorfer (leitende Lehrerin des Projekts) Alois Egger vom Verein DEBRA eine Spende von 570 Euro übergeben.
© NMSK, Tschol

Bei den Jugendlichen, der leitenden Projektlehrerin Gerda Bubendorfer, aber auch beim Team der Universität war die Wehmut über das Ende der Zusammenarbeit spürbar. „Es war eine tolle Zeit“, so das einhellige Fazit.


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