Behörde versperrt Kramsach Weg in die Liftgenossenschaft

Gemeinde Kramsach darf der Genossenschaft „Naturjuwel Rofan“ nicht beitreten. Der Liftbau hängt wieder am seidenen Faden.

Der Sonnwendjochlift steht seit vier Jahren still. Ein neues Projekt hängt in der Warteschleife.
© Zwicknagl

Von Wolfgang Otter

Kramsach –Es ist eine Berg- und eine Talfahrt der Gefühle. Dabei würden die Verantwortlichen für die Genossenschaft Naturjuwel Rofan viel lieber schon per Sesselbahn nach oben auf das Sonnwendjoch oder nach unten fahren. Aber noch türmen sich die Stolpersteine vor den Projektanten für die neue Bergbahn auf. Und kaum haben die Genossenschafter einen Stein weggeräumt, gibt es das nächste Problem. Dieses Mal in Form eines Schreibens der Aufsichtsbehörde, also der Bezirkshauptmannschaft Kufstein, das der Kramsacher Bürgermeister Bernhard Zisterer bei der jüngsten Gemeinderatssitzung verlas. Das Gremium hatte bereits im November 2018 beschlossen, fünfzig Geschäftsanteile zu je 100 Euro an der Genossenschaft zu zeichnen. Das wurde nun jedoch, ein Jahr später, von der Behörde untersagt. „Aus Sicht der Aufsichtsbehörde liegt derzeit kein schlüssiges Gesamtkonzept (Fachexpertise) vor, welches den wirtschaftlichen Betrieb des neuen Liftes auf das Sonnwendjoch garantiert. Dazu sind die Höhe der Investitionskosten und deren Finanzierung nicht umfassend geklärt. Es wird befürchtet, dass über den vom Gemeinderat genehmigten Investitionszuschuss hinaus (14 oder 20 Jahre à 100.000 Euro) noch weitere Zahlungen auf die Gemeinde Kramsach zukommen werden, die letztlich eine Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung des Haushaltsgleichgewichtes oder eine ordnungsgemäße Erfüllung der der Gemeinde gesetzlich obliegenden Aufgaben bzw. ihrer privatrechtlichen Verpflichtungen gefährden würden“, ist im Schreiben nachzulesen. Die BH sieht die „Gefahr einer unverhältnismäßig hohen Belastung bzw. eines unverhältnismäßig hohen finanziellen Wagnisses. Daher kann dem vom Gemeinderat von Kramsach gefassten Beschluss über den Beitritt zur Naturjuwel Rofan eGen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Genehmigung durch die Bezirkshauptmannschaft Kufstein als verantwortliche Aufsichtsbehörde erteilt werden.“ Außerdem empfiehlt die Bezirkshauptmannschaft der Gemeinde, keine Haftungen oder Kredite zugunsten der Genossenschaft einzugehen bzw. aufzunehmen. Wobei man dies ohnehin nicht genehmigen würde.

„Das ist eine Frechheit“, reagiert Markus Vögele, stv. Präsident der Genossenschaft, auf das Schreiben. Man habe eine Expertise eines Fachmannes vorliegen, „und wir sind überzeugt, dass wir den Betrieb mit einer schwarzen Null führen können“.

Zuvor gilt es aber für den Neubau der Bahn ins Rofangebirge mit rund 5,8 Millionen Euro Kosten zu stemmen. Dafür würden neben den bis zu zwei Millionen Euro der Gemeinde Kramsach aus den umliegenden Gemeinden und von dortigen Unternehmen 580.000 Euro beigesteuert, vom Land Tirol ist eine Mio. in Aussicht gestellt worden und 1,5 Mio. Euro vom TVB Alpbachtal-Seenland. Den Rest wird die Genossenschaft aufbringen. Die bis zu zwei Millionen Euro Zuschuss, so BM Bernhard Zisterer, müssen aber nicht von der BH genehmigt werden, da sie aus dem laufenden Haushalt bezahlt werden sollen.

Die Genossenschaft kämpft damit trotzdem an zwei Fronten: Zum einen muss sie versuchen, die Konzession für den heuer abgelaufenen Liftbetrieb wieder zu bekommen, zum anderen sich eben um die Finanzen kümmern. Für Letzteres braucht es auch Geldinstitute. Und die wollen laut Vögele „ein stärkeres Engagement der Gemeinde sehen“. Daher will die Genossenschaft erreichen, dass die Kommune ihre zugesicherten zwei Mio. schneller bezahlt, also die Jahresbeiträge erhöht. „Aber eigentlich will die Bürgermeisterliste den Lift nicht“, befürchtet Vögele. Daher, so der Vizepräsident der Genossenschaft, komme das ablehnende Schreiben der Behörde BM Zisterer äußerst gelegen.


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