Nina Tabassomi in der Kunsthalle Tirol: Einen ganzen Tag lang lachen

Nach „Lieben“ und „Sex“ wird mit „Lachen“ die von Nina Tabassomi kuratierte Ausstellungstrilogie in der Kunsthalle Tirol im Innsbrucker Taxispalais komplettiert.

© günther kresser

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Lachen kann sehr anstrengend sein. Für die, die lachen, genauso wie für die, die den Lachern zuschauen. Und besonders dann, wenn das Lachen kunstvoll verpackt daherkommt. Wobei Nina Tabassomi als kuratierende Hausherrin der Kunsthalle Tirol zwischen Lachen und Kunst durchaus Parallelen ortet. Gäbe es in einer Welt, in der alles rational kontrolliert wäre, doch weder das eine noch das andere.

Mit „Lachen“ komplettiert Tabassomi eine Ausstellungstrilogie, die 2018 mit „Lieben“ gestartet und mit „Sex“ fortgesetzt worden ist. „Aus aktuellem Anlass“ war ihr im vergangenen Sommer offensichtlich so gar nicht zum Lachen zumute, weshalb sie ein „Ökokino“ zwischen Teil zwei und drei geschoben hat.

Wirklich zum Lachen ist die „Lachen“-Ausstellung allerdings nicht geworden, obwohl hier viel gelacht wird. Etwa in den Videos eines Lach-Workshops von Antonia Baehr oder ihrer Platte, auf der sie etwas anders als gewohnt lacht, mit dem Versuch, die Zuhörer mit dem Lach-Virus zu infizieren.

Still gelacht wird dagegen an der Wand, an die Baehr eine Reihe von Lach-Partituren gepinnt hat. Dass das Phänomen des Lachens inzwischen für die Künstlerin fast zur Obsession geworden ist, lässt der 45-minütige Video-Zusammenschnitt eines ganzen Tages vermuten, an dem sie sich selbst aufgetragen hat, konstant zu lachen. Das klappt beim Geschirrwaschen oder Wäscheaufhängen ganz gut, beim Essen schon wesentlich schlechter. Dieses Lachen kippt allerdings immer wieder, sodass man als Zuhörer oft eher ein verzweifeltes Weinen als ein herzhaftes Lachen wahrzunehmen glaubt.

Fluchtreaktionen in Gang setzend, vielleicht in Richtung der skulpturalen „Heritage Studies“ von Iman Issa, die formal zwar sehr schön sind, was sie in diesem Setting zu suchen haben, bleibt aber trotz Tabassomis bemühter Erklärungsversuche ein Rätsel.

Diesbezüglich tut man sich da bei den Arbeiten von Stefan Klampfer etwas leichter. Hat er doch auf die Unterseiten von Tischplatten witzige hundeartige Mischwesen gedruckt, die – könnten Tiere lachen – lachen könnten, während drei seiner Bilder Ausstellungssituationen mit Schnecken, Bären und Hunden als Besucher simulieren, worüber man vielleicht schmunzeln könnte. Daneben lässt Sophia Mairer an Stangen fedrig oder blütig geformte, bunt bemalte Papiere „tanzen“. Eine Arbeit, die wohl eher in den Ausstellungsteil „Sex“ gepasst hätte.

Unbedingt einen Besuch der Ausstellung wert macht allerdings Roee Rosens in der Hofhalle laufendes Video „Hilarious“. Auf einem riesigen Bildschirm performt hier eine weibliche Comedian vor Live-Publikum. Sie ist zum Schreien komisch, obwohl das, über das hier gelacht wird, in Wirklichkeit alles andere als lustig ist. Geht es doch um 9/11 genauso wie um „Gefilte Fisch“, den Kunstbetrieb und die große Politik. Das Lachen mutiert hier zum lustvoll zelebrierten Akt der Befreiung, um nicht an der Wirklichkeit zu verzweifeln.


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