Illegale Schüttung in Ramsau nachträglich bewilligt

Im Oktober 2018 langte bei der Bezirkshauptmannschaft Schwaz eine Beschwerde zu einer „wilden“ Deponie ein. Nun gibt es eine Entscheidung.

Wegen einer unbewilligten Schüttung musste im Vorjahr im Ortsteil Bichl der Wanderweg gesperrt werden.
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Von Eva-Maria Fankhauser

Ramsau –Seit über einem Jahr liegt in einer Rinne im Wald des Ortsgebietes Bichl Aushubmaterial. Illegal abgelagert. Ohne jede Genehmigung. Das Material drohte abzurutschen. Der direkt unterhalb liegende Wanderweg musste gesperrt werden. Auch der nahegelegene Spielplatz wurde zur Sperrzone. Seit über einem Jahr ermittelt die Bezirkshauptmannschaft Schwaz in diesem Fall. Die Schüttung wurde vom Ramsauer Gemeindevorstand und Unternehmer Andreas Rauch vorgenommen. Er tat dies auf Wunsch des Grundbesitzers – ein Landwirt, der nach der Schüttung erklärte, dass dies Agrarstrukturverbesserungsmaßnahmen seien. Doch damit ließ sich Benjamin Hotter, Mitarbeiter der Abteilung Umwelt der BH Schwaz, nicht so einfach abspeisen.

Die illegale Schüttung des Aushubmaterials wurde von der BH zur Anklage gebracht. Doch das schließt eine nachträgliche Bewilligung der Ablagerung nicht aus. Immerhin hieß es seitens des Grundeigentümers, dass er die Schüttung veranlasst habe, um einen Wendeplatz und den Bau eines Bienenhauses zu ermöglichen. Hotter verlangte zahlreiche Gutachten, Messungen und Unterlagen, die zeigen, dass das abgelagerte Material einen Zweck habe und der Wendeplatz oder das Bienenhaus wirklich notwendig seien. Es dauerte, bis alle geforderten Unterlagen bei ihm eintrudelten und er den Akt behandeln konnte.

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Die BH hat eine Entscheidung gefällt: Die Schüttung wird nachträglich bewilligt. Die dortige Gegebenheit für den Bergbauern würde zeigen, dass ihm ein Wendeplatz eine große Arbeitserleichterung bringen würde. Die bisherige Durchführung der Schüttung sei aber nicht korrekt verlaufen. Für den 325 m² großen Wendeplatz brauche es im steilen Gelände rund 11.000 m³ Material. „Das ist nicht überdimensioniert, so kann ein Laster oder Schlepper mit Anhänger wenden“, erklärt Hotter. Ein Agrarfachmann habe die Ansicht geteilt. Ein hinzugezogener Geologe forderte aber einen Damm am unteren Ende der Schüttung. Vor allem, um die Sicherheit am Wanderweg zu gewährleisten. Zudem wurde kontrolliert, ob sich der Untergrund überhaupt für einen Wendeplatz eigne. Die derzeitige Tiefe der Schüttung müsse beibehalten werden, da ansonsten die Stabilität aufgrund der Neigung für den Wendeplatz nicht gegeben sei. „Aber das wird alles mit einem Mischwald wieder aufgeforstet“, betont Hotter. Nur etwa 165 m² Wald werden dauerhaft gerodet.

Aus dem Bienenhaus wird aber nichts. Dazu hatte der Eigentümer etwa auf halber Höhe der Schüttung eine Zufahrt und einen kleinen Platz als Standort geplant. Die Notwendigkeit für eine neue Straße habe sich Hotter aber nicht erschlossen. „Das war nicht plausibel. Auch wenn er die Straße unbedingt haben wollte“, sagt Hotter.

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Die weitere Schüttung für den Wendeplatz muss laut Auflage der BH mit geologischer Bauaufsicht erfolgen. „Damit das bescheidgerecht gemacht wird“, sagt Hotter. Das strafrechtliche Verfahren zur illegalen Schüttung und dadurch entstandenen Rodung laufe noch.


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