Gewerkschaft gegen Schicht für Muslime

Ex-Minister Stöger lehnt die Idee eines zeitversetzten Wochenendes für Andersgläubige vehement ab.

Ex-Sozialminister Alois Stöger.
© APA

Von Cornelia Ritzer

Wien –Ein neues Arbeitszeitmodell soll zeitversetzte Wochenenden für Muslime ermöglichen. Statt Samstag und Sonntag frei zu haben, sollen sie am Freitag und Samstag ihre Religion ausüben können, schlägt der Unternehmer Stephan Zöchling vor. Die Gewerkschaft reagiert sauer. „Ihm geht es darum, Sonntagsarbeit billiger zu machen, nicht um Integration“, sagt Alois Stöger, Bundessekretär der Gewerkschaft Pro-Ge, zur TT. Die Produktionsgewerkschaft ist die größte Arbeitergewerkschaft und verhandelt den Metaller-Kollektivvertrag.

Zöchling, Geschäftsführer des Auspuffanlagen-Herstellers Remus-Sebring, begründete seinen Vorstoß für ein freiwilliges Modell für Andersgläubige mit der Integration von Flüchtlingen. Und wenn Mitarbeiter am Sonntag aus religiösen Gründen ohne gesetzliche Zuschläge arbeiten könnten, wäre das auch ein „Impuls“ und helfe in Industrie und Tourismus, Spitzen abzudecken. Zuschläge müssten natürlich trotzdem bezahlt werden – nur nicht am Sonntag.

„Kein betriebliches System kann so funktionieren“, ist der Gewerkschafter Stöger überzeugt. Bei einem Betrieb mit drei Leuten sei das vielleicht organisierbar, meint der Ex-SPÖ-Minister, ansonsten würde das jedoch „das gesamte Arbeitssystem zerstören“. Er vermutet, dass durch ein auf die Religion abgestimmtes Zeitmodell „die Arbeit billiger werden soll“, indem man Möglichkeiten suche, Zuschläge zu sparen.

Auch kann Stöger keine Integrationsmaßnahme erkennen. „Wenn man für die Integration etwas machen will, gibt es viele Möglichkeiten“, sagt der Gewerkschafter. „Ein Sieg für alle“ sei es, wenn die aktuell rund 800 Asylwerber in einer Lehre nicht abgeschoben werden. Auch könnten Vorgesetzte die Muttersprache der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zulassen. Und die 4-Tage-Woche sei eine Erleichterung für alle mit Familie. „Ich halte von Arbeitsschichten von Andersgläubigen nichts“, resümiert Stöger.

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