Über 60 Masern-Tote: Öffentliches Leben in Samoa steht wegen Impfaktion still

Seit Oktober wurden mehr als 4200 Masernfälle gemeldet, davon 165 allein seit Mittwoch. Das kleine Land mit seinen rund 200.000 Einwohnern hatte Mitte November den Notstand ausgerufen. Bewohner ohne Impfung müssen an Häusern rote Fahne hissen.

Nach dem Masern-Ausbruch wurde eine großangelegte Impfaktion gestartet.
© APA/AFP/UNICEF/ALLAN STEPHEN

Apia – Wegen eines Masern-Ausbruchs mit bisher 62 Toten hat der Pazifikstaat Samoa eine groß angelegte Impfaktion gestartet. Die meisten öffentlichen Einrichtungen und Geschäfte blieben auf Anordnung der Behörden ab Donnerstag für zwei Tage geschlossen, damit möglichst viele Menschen geimpft werden können. Der Fährverkehr der Inselgruppe wurde unterbrochen, private Autofahrten waren verboten.

Die Bewohner mussten für die Dauer des zweitägigen Gesundheitsnotstands zu Hause bleiben und wurden aufgefordert, eine rote Fahne an ihrem Haus zu hissen, wenn in ihrem Haushalt Familienmitglieder nicht geimpft sind. Hunderte Impfteams waren unterwegs. Das „gesamte Land“ mit seinen rund 200.000 Einwohnern solle geimpft werden, sagte UNICEF-Vertreter Sheldon Yett.

Vor dem Masern-Ausbruch Mitte Oktober lag die Impfrate in Samoa laut UNICEF bei rund 30 Prozent. Durch eine vor gut zwei Wochen gestartete Impfkampagne stieg sie bereits auf mehr als 55 Prozent. Mit der bis Freitag laufenden Impfaktion soll die Rate laut Unicef auf mehr als 90 Prozent erhöht werden.

„Unverantwortliche“ Botschaften von Impfgegnern“

Auch an der Residenz von Regierungschef Tuilaepa Sailele Malielegaoi hing eine rote Fahne. Sein kürzlich aus Australien zurückgekehrter Neffe benötige eine Impfung, sagte er. Malielegaoi forderte die Bewohner seines Landes auf, sich impfen zu lassen.

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NICEF-Vertreter Yett machte auch „unglaublich unverantwortliche“ Botschaften von Impfgegnern in Internetdiensten wie Facebook, Instagram und Twitter für den Masern-Ausbruch in Samoa mitverantwortlich. Viele Menschen in dem Inselstaat seien für deren „falsche Behauptungen“ empfänglich gewesen. Seit dem Ausbruch Mitte Oktober wurden in Samoa mehr als 4200 Masern-Fälle registriert.

Masern sind extrem ansteckend. Die Viren kann man sich über winzige Speicheltröpfchen in der Luft einfangen - etwa in einem Raum, in dem sich ein Infizierter aufhält oder kurz zuvor aufhielt. Einige Tage danach breitet sich meist ein Ausschlag über den ganzen Körper aus. Bei etwa jedem zehnten Erkrankten kommt es zu Komplikationen wie Mittelohr- oder Lungenentzündungen. Seltene Folge sind Gehirnentzündungen, die tödlich enden können.(APA/AFP)


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