Italiener besuchen Bergweihnacht: Innsbruck ist “molto bello!“

Die Italiener erobern die Bergweihnacht auch heuer rund um den 8. Dezember. Gestylte Menschen und Hunde prägen das Bild, es wird wieder mehr gelacht.

Mit dem Zug anreisen und gleich auf den Markt.
© Rudy De Moor

Von Alexandra Plank

Innsbruck — Woran erkennt man Italiener, wenn sie nicht reden? An der Kleidung, die einfach trendiger ist als in unseren Breiten. Karin Seiler-Lall, Direktorin von Innsbruck Tourismus, erklärt, dass mittlerweile schon mehr Italiener in der Weihnachtszeit nach Innsbruck kommen als rund um den 15. August.

„Innsbruck ist schon zu 90 Prozent ausgebucht, es gibt nur noch Zimmer ab 200 Euro pro Nacht." Auch die umliegenden Regionen wie das Stubai und bis nach Wattens würden vom Italieneransturm profitieren. Da der Hafen-Parkplatz weggefallen ist, würden die Wohnmobile nun am Natterer See und bei der Olympiaworld parken. „Doch warum fahren die Italiener nicht einfach bis nach Südtirol?", wundert sich ein Taxler.

Wir wollen es genau wissen und fragen Enzo, der aus Neapel stammt. Innsbruck sei „molto bello", gibt er uns zu verstehen und die Bergweihnacht präsentiere sich „magnifico". Besonders angetan hat es den italienischen Familien die riesige Kugel in der Maria-Theresien-Straße, in der man gemütlich und ohne Konsumzwang sitzen kann. Die Oma hat den Enkel auf den Schoß genommen und singt ihm ein Lied vor. Immer wieder macht sie ihn darauf aufmerksam, wie schön alles glitzert: „Che bello!" Womit wir beim akustischen Erkennen der Italiener wären: Sie sind präsent und lachen gern.

Am SoWi-Parkplatz dominieren italienische Busse.
© Rudy De Moor

Die Familie kommt aus Apulien und macht hier fünf Tage Weihnachtsferien, wie der Vater erzählt. Beim Glühweinstand würden die Italiener gerne zugreifen, berichtet uns ein Standler, auch die Kiachl con crauti seien gefragt.

Studentin Eva Koch, die beim Infostand arbeitet, gibt an, dass die Italiener am meisten interessiere, wo sich der Busparkplatz befinde. Es seien sehr viele Tagestouristen da. „Richtig turbulent wird es am Wochenende." Sie mag an den Italienern ihren Familiensinn. „Da kommen die Großeltern, Eltern und Enkel, einen Hund haben sie oft auch noch mit." Und, was soll man sagen, selbst die Vierbeiner tragen elegantere Wintermäntelchen als in Innsbruck üblich.

Am liebsten kaufen die italienischen Gäste die Weihnachtstassen, berichtet Koch, wobei die jeweilige Farbenauswahl oft gestenreich, lautstark und anhaltend diskutiert werde.

Enzo gerät ins Schwärmen.
© Rudy De Moor

Auf dem Weg zum Busparkplatz treffen wir eine Gruppe aus dem Trentino. Sie ist um 8 Uhr morgens losgefahren, die Anreise dauerte zweieinhalb Stunden. Um 15 Uhr geht es dann zurück. Beim Glühwein werde man sich aber zurückhalten, versprechen die Burschen grinsend und mit dem Zusatz: „Certo!"

„8. Dezember frei ist zu verschmerzen“

Maria Empfängnis war stets der klassische Tag, an dem die Italiener zum Einkaufen nach Tirol kamen.

In diesem Jahr fällt der Feiertag, an dem die Geschäfte geöffnet haben, auf einen Sonntag. Damit fehlt dem Handel ein Verkaufstag. Alois Schellhorn, Spartenführer der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Tirol, sagt dazu: „Es gab wieder eine Diskussion von seiten der Shoppingcenter, auch am Sonntag zu öffnen, doch hier sticht einfach die Sonntagsregelung die Feiertagsregelung."

Schellhorn geht davon aus, dass es zu verschmerzen ist, wenn die Geschäfte am 8. Dezember zu sind. „Ich bin überzeugt, dass der Andrang am Samstag dafür größer sein wird."

Hinsichtlich der Italiener meint der Spartenführer, dass jene, die wegen des Christkindlmarkts kommen, nicht mit jenen ident seien, die in den Einkaufszentren anzutreffen seien. Die Bergweihnacht mit den ganzen Ständen habe am Sonntag aber ohnehin geöffnet.

Touristikerin Karin Seiler-Lall betont indes, dass den Märkten nicht ein Tag fehlen würde wie dem Handel. Wenn der Feiertag günstig falle, würde sich aber die Aufenthaltsdauer der italienischen Gäste verlängern.

Indes finden auch die Schweizer zunehmend Gefallen an Innsbrucks Märkten. (pla)


Kommentieren


Schlagworte