Ins Geschäft einkaufen gehen, aber ohne zu zahlen

Die Modekette H&M bietet in ihren Geschäften Einkauf auf Rechnung an. Gezahlt wird später. Das könnte der Start in eine Schuldenspirale sein, warnen Experten.

Der Advent steckt voller Verlockungen und der Konsumdruck ist besonders hoch.
© iStock

Von Beate Troger

Innsbruck –Der Pullover gefällt, die Jeans passt. Die Kleidungsstücke werden mitgenommen, aber erst bis zu vier Wochen später bezahlt. Das Zahlen auf Rechnung oder auf Raten bietet der schwedische Modekonzern H&M seit Mitte November auch in seinen Filialen an. Die Zahlungsmethode, die beim Online-Shopping weit verbreitet ist, hat damit auch den traditionellen, stationären Handel erobert – und das genau zum Weihnachtsgeschäft.

Für Thomas Pachl, Geschäftsführer der Schuldenberatung Tirol, ist dieses Angebot nicht nachvollziehbar. „Wer heute kein Geld hat, um bei H&M Kleidung einzukaufen, hat es auch in vier Wochen nicht“, sagt er. „Und jeder, der auf Pump einkauft, egal ob vor Weihnachten oder nicht, begibt sich aufs Glatteis.“ Denn jeder noch so kleine Konsumkredit kann ein Start in die Schuldenspirale sein, wenn das finanzielle Polster klein ist und der Gürtel schon enger geschnallt werden muss.

Bei der Schuldenberatung sei es vor Weihnachten im Allgemeinen eher ruhig, weil viele Menschen eine Sonderzahlung, also das Weihnachtsgeld, bekommen würden, sagt Pachl. Doch gerade im Weihnachtsgeschäft lauern sowohl im Internet als auch in den Geschäften vor Ort viele Verlockungen: von unzähligen Schnäppchen rund um den „Black Friday“ Ende November bis hin zum Christkindlmarkt. Wenn vor Weihnachten Hunderte Menschen mit Einkaufstaschen durch die Straßen bummeln, möchte man dazugehören.

„Der Konsumdruck ist groß, besonders durch das Online-Shopping“, erklärt der Experte. Denn im Netz ist das Angebot fast unendlich groß, die „Shops“ haben rund um die Uhr geöffnet und man muss nicht einmal das Haus verlassen. Suchtforscher fordern, dass Online-Kaufsucht als eigenständige psychische Erkrankung definiert wird.

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„Auch für Eltern ist es ein großes Problem, weil sie ihre Kinder beschenken möchten“, sagt Pachl. Er rät, fix ein Budget festzulegen, das für Geschenke verwendet wird, und keinesfalls einfach ohne Plan und Ideen für Präsente draufloszuziehen.

H&M selbst will sich nicht äußern, wie der Einkauf auf Rechnung in den Geschäften angenommen wird. Den Kunden möchte man ein „modernes, flexibles und komfortables Einkaufserlebnis bieten“, heißt es bei der H&M-Presseabteilung. Die Zahlungsmethode stehe nur registrierten Mitgliedern des Kundenklubs zur Verfügung. Zur Abwicklung kooperiert die Günstig-Modekette seit Mitte 2018 mit dem schwedischen Zahlungsanbieter Klarna, der auch die Bonität der Kunden prüft.

Die Probleme bei H&M wird das Shoppen auf Rechnung aber nicht lösen können. Der eigene Online-Shop bereitet dem Konzern Sorgen. Gewinne schrumpfen seit Jahren. Die Zahl der Online-Retouren muss dringend gesenkt werden. Werden unpassende Hosen oder Leiberl, die doch nicht gefallen, zurückgeschickt, vergehen oft Wochen. Viele Teile können dann nicht mehr weiterverkauft werden, weil die Kollektion schon veraltet ist.


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