Salzburg-Sportdirektor Freund: „Ein Hurrikan entsteht nicht von selbst“

Das Gruppen-Endspiel gegen Champions-League-Titelverteidiger FC Liverpool (10. 12.) wirft in Salzburg große Schatten voraus. Zuvor gastiert am Samstag die WSG Tirol bei den Bullen um Sportdirektor Christoph Freund.

Christoph Freund und Red Bull Salzburg müssen aktuell den Spagat zwischen Liga und Königsklasse meistern.
© gepa

Salzburg – In der Geschäftsstelle von Red Bull Salzburg glühen die Leitungen, die Bedürfnisliste für den Champions-­League-Schlager gegen Liverpool ist unendlich lang. Die TT brachte Sport­direktor Christoph Freund trotz Dauerstress ans Telefon. Und den vermeintlich leichten Liga-Alltag gegen Bundesliga-Aufsteiger WSG Tirol will er keinesfalls abwerten.

Am Samstag kommt die WSG Tirol als Tabellen-Nachzügler der Bundesliga, am kommenden Dienstag kommt dann Champions-League-Titelverteidiger FC Liverpool zum Gruppen-Endspiel. Wie bereitet man sich in Salzburg auf diesen großen Spagat zwischen einem Liga-Pflichtsieg und einer möglichen Champions-League-Sensation vor?

Christoph Freund: Die Bundesliga ist sehr wichtig für uns. Und wir wollen nach zwei Unentschieden (Admira/1:1 und St. Pölten/2:2; Anm.) unbedingt wieder drei Punkte. Uns wurde zuletzt gezeigt, dass wir auch in der Liga hinten wie vorne über die volle Distanz konzentriert bleiben müssen.

Aber der weit größere Stundensatz wird derzeit dennoch der Vorbereitung auf das Liverpool-Match gelten?

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Freund: Natürlich ist das eine Riesensache für den Verein und einiges spielt sich ab. Wir könnten das Stadion etwa dreimal füllen, aber es ist ohnehin schon lang ausverkauft.

Jene Fans, die auf ein Dreier-Abo für die Gruppen-Spiele gesetzt haben, haben alles richtig gemacht.

Freund: Es kommen diejenigen dran, die uns regelmäßig und treu begleiten. Das war ein wichtiges Kriterium für uns.

Die Konstellation, dass der österreichische Meister den Titelverteidiger in der Vorrunde ausschalten kann, erweckt weltweit großes Interesse und ist nach den tollen Erfolgen in der Europa League eine wohl noch größere Nummer?

Freund: Von der ganzen Konstellation ist es sicher ein neuer Höhepunkt. Wir spielen gegen das womöglich beste Team der Welt auf einer ganz großen Bühne. In Sachen Aufmerksamkeit hat es so ein Match in Salzburg noch nicht gegeben.

Rückpass zum Liga-Heimspiel gegen die WSG, das bei dem ganzen Hype ja verblassen könnte.

Freund: Nochmals ein klares Nein. Wir wollen am Dienstag mit einem guten Gefühl ins Match gegen Liverpool gehen. Und wenn wir gegen die WSG nicht gewinnen, ist dies nicht der Fall.

Freund legte sich einst in Grün auch als Spieler für die WSG Wattens ins Zeug.
© gepa

Bekommt es die WSG Tirol mit einer „B-Elf“ zu tun?

Freund: Es gibt bei uns unter Jesse Marsh keine B-Elf sondern nur Rotation in unserem starken Kader. Wir haben eine junge Mannschaft, die sich auf jedes Ligamatch freut.

Sie sind 2019 als Salzburger Sportdirektor an der legendären Anfield Road gewesen, als Spieler liefen sie einst für zwei Spielzeiten (1999-2001) auch für die WSG Wattens in der zweiten Liga auf. Gibt’s da noch ein paar Erinnerungen?

Freund: Wie soll ich diese lustige Zeit mit netten Typen und guten Kickern vergessen?

Haben Sie auch einmal von einer großen internationalen Karriere geträumt?

Freund: Als Bub träumt man von viel, aber ganz ehrlich war ich weit davon weg. Umso mehr genieße ich es jetzt in dieser Rolle dabei sein zu dürfen.

WSG-Coach Thommy Silberberger nennt sich selbst in Anspielung auf seine Wurzeln auch den „Bauernbua aus Wörgl“. Wenn man so will, sind sie der Tischlersohn aus Leogang, der sich bei Red Bull Salzburg vom Teammanager (ab 2006), Sportkoordinator (2012) zum Sportdirektor (2015) hochgedient hat. Das klingt alles sehr märchenhaft.

Freund: Ich stehe zu meinen Wurzeln und weiß alles sehr zu schätzen. Es geht im Fußball alles so schnell und ich habe in Salzburg auch schon Zeiten erlebt, wo es nicht so gut lief wie jetzt. Das hat alles aber nie etwas an meinem Zugang zum Leben geändert.

Silberberger hat auch gesagt, dass am Samstag un Salzburg ein Hurrikan auf die WSG wartet, den sie überleben muss.

Freund: Ich glaube das Wetter wird doch ganz gut und es ist kein Hurrikan angesagt (schmunzelt). Natürlich können wir eine enorme Power entwickeln, uns allerdings auch schwer tun, wenn der Gegner gut verteidigt. Ein Hurrikan entsteht in jedem Fall nicht von selbst. Da müssen wir schon viel dafür tun.

Das Gespräch führte Alex Gruber


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