Fiat Chrysler wegen US-Geschäft im Visier des Fiskus

Italienische Steuerbehörden sehen Chrysler als zu niedrig bewertet. 1,5 Milliarden Dollar an Steuer-Nachzahlungen stehen im Raum.

Gemeinsam würden Fiat-Chrysler und PSA – gemessen an der Zahl der 2018 verkauften Fahrzeuge – den viertgrößten Autokonzern der Welt bilden,
© AFP

Mailand, Amsterdam – Fiat Chrysler wird inmitten der geplanten Fusion mit dem französischen PSA-Konzern von einem Steuerstreit eingeholt. Die italienischen Steuerbehörden sind einem Insider zufolge der Ansicht, dass Fiat den Wert des US-Geschäfts bei der Übernahme von Chrysler um 5,6 Mrd. Dollar (5,05 Mrd. Euro) zu niedrig angesetzt hat.

Die Überprüfung beziehe sich auf Transaktionen, die bis zum Jahr 2014 zurückreichten und könnte dazu führen, dass der Automobilkonzern 1,5 Mrd. Dollar an Steuern nachzahlen müsse, erläuterte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet.

Bestechungsvorwürfe von GM

Fiat Chrysler fechtet die Einschätzung des Fiskus an. Man sei zuversichtlich, eine wesentlich geringere steuerliche Bewertung erreichen zu können, sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag. Fiat Chrysler hatte bereits in seinem Zwischenbericht für das dritte Quartal auf den Steuerstreit hingewiesen und auf mögliche Nachforderungen des Finanzamts. „

Die Nachricht von der Steuerfahndung trifft Fiat Chrysler zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Der italienisch-amerikanische Konzern und PSA hatten vergangenen Monat den Zusammenschluss zum weltweit viertgrößten Autokonzern angekündigt. Die Fusion soll in den kommenden Wochen unter Dach und Fach gebracht werden.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen

Dabei wollen sich die beiden Autobauer nicht von Bestechungsvorwürfen aufhalten lassen, die General Motors gegen Fiat Chrysler erhoben hatte. Der amerikanische Rivale wirft Fiat Chrysler in einer Klage vor, sich noch unter der Ägide des inzwischen verstorbenen Konzernchefs Sergio Marchionne bei Tarifverhandlungen mit der US-Gewerkschaft UAW einen unfairen Vorteil verschafft zu haben. Fiat Chrysler weist dies zurück.

Bei einem Zusammenschluss würde der neue Konzern GM überrunden und nach Volkswagen, Toyota und Renault-Nissan zum weltweit viertgrößten Autobauer aufsteigen. Das künftige Imperium würde 16 Automarken umfassen, darunter neben Fiat und Chrysler, Peugeot, Citroen und Opel auch deren britische Schwester Vauxhall sowie US-Marken wie Jeep und Dodge und italienische Luxuswagen von Maserati. (APA, Reuters)


Kommentieren


Schlagworte