Hila Baggio im Haus der Musik: Aufregend, sinnlich, prickelnd

Das „Jerusalem Quartet“ und Sopranistin Hila Baggio beim 3. Kammerkonzert.

Sopranistin Hila Baggio zeigte sich als großartige Interpretin im feinen Zusammenwirken mit dem „Jerusalem Quartet“.

Von Markus Hauser

Innsbruck – Tanzphantasien, jiddisches Kabarett und wehmütige Walzerseligkeit: Mit dem Jerusalem Quartet und der Sopranistin Hila Baggio hieß es am Donnerstagabend im Rahmen des 3. Kammerkonzertes im Haus der Musik eintauchen in eine Welt der großen Emotionen.

Zum Auftakt „Fünf Stücke für Streichquartett (1923) des von Antonín Dvoˇrák auf den musikalischen Weg gebrachten und für die Nazis „entarteten“ Erwin Schulhoff. Die fünf Streichquartett-Tänze, verschiedenste Folklore-Bruchstücke durch die Lupe des Expressionismus betrachtet, reißen mit und erschrecken zugleich in ihrer vehementen perkussiven Qualität.

Das Jerusalem Quartet mit Alexander Pavlovsky und Sergei Bresler (Violine), Ori Kam (Viola) sowie Kyril Zlotnikov (Violoncello), allzeit kontrolliert und entfesselt zugleich, kostet es aus, dieses intensive Konzentrat aus großer Musik. Den Reichtum und die Vielfalt jüdischer Musik galt es auch in „Jiddisch – 5 Lieder für Stimme und Streich­quartett“ zu entdecken.

Fünf Lieder, repräsentativ für das Straßenleben Warschaus in der Zwischenkriegszeit, von Leonid Desyatnikov in einer zeitgemäßen Tonsprache gefasst, beschreiben das Leben zwischen vager Hoffnung und latenter Verzweiflung. Unüberhörbar Tschaikowsky und Rachmaninov als Inspiration, doch nie epigonal, umfängt Desyatnikov mit seiner Klangsprache den sentimentalen Ton, den wehmütigen Klang, die augenzwinkernde Heiterkeit.

Die Stimme und das Wesen dazu, Hila Baggio, sie könnten idealer nicht sein. Nicht nur von der Sprache her, auch ganz tief in das hochemotionale Klangfarbenspektrum eintauchend, gestaltet sie die in den jiddischen Texten verankerten, musikalischen Valeurs aufregend sinnlich. Dank der enormen musikalischen Intelligenz klingen die vier Herren nie nach „Begleitun­g“.

Ausdruck und Eleganz, die Genauigkeit der Könner, die hörte man auch in Erich Wolfgang Korngolds Streichquartett Nr. 2 Es-Dur op. 26 (1933), einer in Walzerklängen verpackten Sehnsucht nach seiner österreichischen Heimat und seinen musikalischen Wurzeln. Prickelnde Pizzicato-­Erfrischung aus Bél­a Bartóks 4. Streichquartett gab es noch für den Nachhauseweg als Draufgabe.


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