Doppelter Abschied im „Literarischen Quartett“

Nach vier Jahren verabschiedet sich Volker Weidermann als Moderator des „Literarischen Quartetts“, auch Kritikerin Christine Westermann verlässt die ZDF-Sendung. Die letzte Ausgabe mit beiden wird am kommenden Freitag gezeigt. Es geht diesmal um Geschichten aus Schottland und einem Berliner Plattenbauviertel, um den Klassiker „Effi Briest“ und eine Biografie des Basketballers Dirk Nowitzki.

„So, Achtung Volker“, schallt es kurz vor Aufnahmebeginn durch einen Saal im Berliner Ensemble. Das „Literarische Quartett“ ist für viele eine Institution. Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (1920-2013) hatte das Format einst ins Leben gerufen. Die Neuauflage wird seit 2015 von „Spiegel“-Journalist und Autor Weidermann moderiert, der mit Witz zwischen den Parteien vermittelte. Zur Kritikerrunde gehört bisher auch WDR-Moderatorin Westermann (von ihrem Kollegen Weidermann gerne liebevoll „Westermääään“ genannt).

Für manche Leser ist Westermann so etwas wie der Anker mit Normalo-Perspektive gewesen. Dritter Stammkritiker in der Runde war zunächst Maxim Biller, dann übernahm die schlagfertige Thea Dorn den Posten. Zwischen ihr und Westermann konnte es hoch hergehen. Nun ändert sich die Zusammensetzung. Das ZDF will die Sendung nach eigenen Angaben im nächsten Jahr fortsetzen und „grundlegend“ umgestalten. Details sind nicht bekannt.

Die neue Folge zeigt, wie amüsant die Runde sein konnte. Zu Gast ist Schauspieler Matthias Brandt. Er räumt gleich beim ersten Buch ein: „Es hat mich absolut aus den Latschen gehauen.“ Es geht um John Burnsides Roman „Über Liebe und Magie - I put a spell on you“.

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Christine Westermann ist ehrlich: Sie habe das Buch so halb umgehauen. Irgendwann sei es noch um Taoismus und anderes gegangen. „Da habe ich das gemacht, was Westermann häufig macht: Da habe ich großzügig drüber weggelesen“, sagt sie über sich selbst. Bei der Nowitzki-Biografie, erzählt sie, seien ihr die Tränen gekommen.

In der Abschiedssendung geht es sonst eher fröhlich als sentimental zu. „Das waren wunderbare vier Jahre“, sagte Weidermann der Deutschen Presse-Agentur. Und jetzt kämen wunderbare andere Jahre. Er habe schon zwei Jobs und verzichte nun auf die zusätzliche Aufgabe.

Westermann sagt, das ZDF wolle mit dem Quartett neue Wege gehen und sie wolle auch neue Wege gehen. „Na klar geht man mit dem Gefühl der leichten Wehmut rein“, sagte Westermann vor der Aufzeichnung. Man habe ja auch Menschen kennen und mögen gelernt. Von ihrem Kollegen Weidermann wünscht sie sich auch in Zukunft Buchtipps.

„Was ich toll fand an diesen vier Jahren Quartett: Dass ich wirklich - ich sage es mal so platt - gelernt habe, anders zu lesen. Und andere Bücher zu lesen“, sagte Westermann. „Es war toll zu lernen, dass auch schwierige Bücher richtig gut sein können.“

„Dit war‘s“, sagt Moderator Weidermann am Ende der Sendung. „Es war mir eine große Ehre und Freude“, erklärt er. Und bezieht sich dann auf Quartett-Gründer Reich-Ranicki und dessen typisches Schlusswort: „Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Das sagt diesmal vielleicht sogar noch etwas mehr als sonst.


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