Die gute Geschichte: Ordensschwestern aus Osttirol helfen in Bolivien

Vor mehreren Jahrzehnten zogen Osttiroler Ordensschwestern in die Armenviertel von Bolivien. Die Spenden für Bruder und Schwester in Not helfen, den Ärmsten zu helfen.

Vor Jahren zogen Ordensschwestern aus Osttirol in die Welt hinaus. In Bolivien haben die Frauen (im Bild Schwester Andrea) unter anderem Bildungseinrichtungen aufgebaut.
© BSIN

Innsbruck –„Jetzt muss ich nur noch schnell die Hühner füttern, dann beginnt das Rosenkranzgebet“, sagt Schwester Andrea, ehe sie auch schon durch das metallene Gatter in den Garten verschwindet. Es ist das Armenviertel der Kleinstadt Ascención de Guarayos. Hier leben Familien in einfachsten Behausungen, manche von ihnen kochen mangels finanzieller Möglichkeiten im Freien auf einer offenen Feuerstelle. Es sind Familien, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind, hier im Tiefland von Bolivien, einem der ärmsten Länder Südamerikas. Schwester Andrea Schett kennt ihre Geschichten und hat nicht nur ein offenes Ohr für sie. Ihr mitfühlendes Herz, aufbauende Worte und der eine oder andere Ratschlag begleiten ihre Besuche bei der Bevölkerung. Ein wenig Geld als Nothilfe, Medikamente und ein Stück Käse oder Obst trägt sie stets in ihrer gewebten Tasche mit, wenn sie ihre Runde als Streetworkerin der Nächstenliebe dreht.

Genau aus dieser Liebe zu den Nächsten machte sich Andrea Schett vor über 40 Jahren mit anderen Osttiroler Klosterschwestern auf den Weg in die Ferne. Sie alle waren dem Orden der Tertiarschwestern in Hall beigetreten, mit dem klaren Vorhaben, hinaus in die Welt, in die „Mission“ zu gehen, wie es damals hieß. Abenteuerlust, Fernweh, Mut, Gottvertrauen und eine Berufung hatten sie mit im Gepäck, als sie ihre Heimat verließen. Das Ziel: ein Leben in Bescheidenheit mit und für die Armen im Land der Guaraní-Ethnie im Tiefland von Bolivien. Wenn sie zurückblicken und erzählen, dann kommen Erinnerungen hoch, die den Zuhörer mit Staunen ob der Tatkraft und Unerschrockenheit zurücklassen. So schildert etwa die in Kals am Großglockner aufgewachsene Schwester Verena Riepler von tagelangen Pferderitten, die sie als Krankenschwester alleine meisterte, um entlegene Dörfer medizinisch zu versorgen, oder von Notoperationen und Geburten mitten in der Nacht und mit bescheidensten Mitteln. „Ich habe eine große Freude, dass ich so vielen Menschen in meinem Leben helfen konnte“, meint die heute über 70-Jährige bescheiden lächelnd.

Schwester Miriam Hollaus blickt gar auf 50 Jahre in Bolivien zurück und ist stolz auf die kleine Krankenstation, die sie in den 1990er-Jahren dank Spenden von Bruder und Schwester in Not aufbauen konnte. Heute arbeitet dort staatlich finanziertes medizinisches Personal, ein Entwicklungsschritt. Sie selbst ist immer noch in der Verwaltung tätig. Für Schwester Romana Hofmann, als junge Frau Lehrerin in Matrei in Osttirol, war auch in Bolivien die Bildung das Herzensanliegen. Ein Kindergarten für über 500 Kinder ist ihr großes Werk, das heute von bolivianischen Pädagoginnen weitergetragen wird. Schwester Andrea Schett hat mit Spendengeldern von Bruder und Schwester in Not eine kleine Tagesstätte für Kinder mit Behinderung aufgebaut. Denn: „Jedes kleine Menschenleben hat das Recht auf glückliche Stunden“, wie sie liebevoll meint.

Auch wenn die Osttiroler Tertiarschwestern alle älter geworden sind, ihr Elan, ihre Sorge um das Wohl der anderen und ihre Lebensfreude leuchten noch immer in ihren Augen. Junge bolivianische Tertiarschwestern haben die Agenden übernommen und führen die vielen guten Werke der Nächstenliebe weiter. Ganz nah an den Menschen, im fernen Tiefland von Bolivien, das für ihre Tiroler Mitschwestern schon längst zur Heimat geworden ist, zu einem Ort, wo ihr Herz für andere schlägt.


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