Bauvorhaben in Sölden: Tourismus in der grauen Zone

Der Sölder Gemeinderat verweigerte mehrheitlich die Genehmigung eines Bauprojekts. Dadurch werden gleich mehrere touristische Grauzonen politisch ausgelotet.

Das neueste Gebäude der A Casa-Gesellschaft fand nicht den Anklang des Sölder Gemeinderats. Der Projektwerber ist sauer.

Von Agnes Dorn

Sölden – Mit nur zwei Gegenstimmen wurde bei der letzten Gemeinderatssitzung ein weiteres Bauvorhaben der A Casa Vermietungs GmbH negativ bewertet und einem Bebauungsplan schon vorab eine Absage erteilt. Man wolle das von GF Mario Karlinger betriebene Geschäftsmodell nicht länger unterstützen, so der Tenor. „Wohnungen werden parifiziert, an Investoren verkauft und A Casa vermietet sie dann. Die Verträge gelten alle nur 20 Jahre“, kritisiert GR Thomas Grüner. Das stimme keineswegs, widerspricht Karlinger den Anschuldigungen: „Jeder unserer Betreiberverträge wird gemäß der derzeit gesetzlich geltenden Regelungen abgeschlossen, unabhängig von der Laufzeit oder den Wünschen der neuen Besitzer. Ob nun eine Wohnung im Eigentum verbleibt oder verkauft wird, stellt auf Grund der Gesetzgebung, dass keine Freizeitwohnsitzwidmung besteht, keinen Unterschied dar. Es herrscht in jedem dieser Fälle die Vermietungspflicht.“ Doch auch Bürgermeister Ernst Schöpf sieht das System der Vermietung über Betreiberverträge kritisch: „Das ist ein vorübergehendes Placebo, finanziert über ausländische Käufer. Im Grundbuch stehen in Serie Ausländer.“ Ob es Wohnungen gebe, die nur von den Eigentümern genutzt und nicht vermietet werden, könne die Gemeinde leider nicht überprüfen, so Schöpf: „Wir können ja nicht unter die Bettdecke schauen.“ Karlinger betont dagegen, dass zwar Eigentümerbelegungen möglich seien, diese jedoch entsprechend den gesetzlichen Vorschriften – auch steuerrechtlich – behandelt werden würden. Aber auf jeden Fall hätte man nachweislich durch den Tourismusverband Ötztal eine weit höhere Auslastung als der Durchschnitt in Sölden. Man würde zudem auch finanziell einiges zum Wohlergehen der Gemeinde beitragen. Allein für das Jahr 2018 habe man über 62.000 € TVB-Abgaben, 52.000 € für die Ötztal-Premium-Card, 20.000 € Tourismusförderung und für die 25 Mitarbeiter, die zu 90 % eine Jahresstelle haben, über 9.000 € an Kommunalsteuerabgabe an die Gemeinde bzw. den Tourismusverband geleistet. Doch die Kritik der Gemeinderäte geht eigentlich in eine ganz andere Richtung, wie GR Georg Schöpf erörtert: „Am Ende geht es um Grundstücks- und Widmungsspekulation. Einheimische ziehen weg und verkaufen scheibchenweise. Es wäre bedenklich, die Immobilienpreise noch weiter raufzutreiben, in einer Gemeinde, in der Grundstücke begrenzt vorhanden sind.“ Dazu meint Karlinger, man müsse sehr wohl zwischen klassischem Wohnraum und wirtschaftlich genutzten Immobilien unterscheiden. „Wirtschaftliche Immobilien unterliegen dem freien Markt und können bei ‚Wunschpreisen‘ der Einheimischen überdurchschnittliche Dimensionen erreichen. Wir und ich wehren uns gegen solche Vorstellungen und bezahlen markt- bzw. wirtschaftsübliche Preise.“

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