Frauenberatung in St. Johann kämpft um Fördergelder

Anerkennung durch den Bund als Frauenservicestelle nur, wenn eine Gebietskörperschaft ebenfalls 50.000 Euro beischießt.

Frauen, die von Gewalt betroffen sind, erhalten im Frauenberatungszentrum St. Johann Hilfe.
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Von Michael Mader

St. Johann i. T. –Das Mädchen- und Frauenberatungszentrum in St. Johann leidet, wie viele derartige Einrichtungen auch, unter akutem Geldmangel. Seit geraumer Zeit bemüht sich deshalb die Obfrau des Vereins, Renate Magerle, um die Anerkennung als Frauenservicestelle. Dafür gibt es eine Reihe von Kriterien, die zu erfüllen sind. Unter anderem eine Öffnungszeit von mindestens 20 Wochenstunden, ein großräumiges Einzugsgebiet, einen langjährigen Erfahrungszeitraum, einen hohen Bekanntheitsgrad, Professionalität durch entsprechend geschulte Mitarbeiter usw.

„Nachdem die Gemeinde St. Johann dem Verein Mädchen- und Frauenberatungszentrum entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat und wir damit eine Öffnungszeit von 22 Stunden anbieten können, stellte ich den Antrag zur Anerkennung als Frauenservicestelle“, berichtet Magerle. Eine Kopie davon ging auch an die zuständige Ministerin Ines Stilling. Was die Obfrau des Vereins zurückbekommen hat, ist lediglich eine Mitteilung aus dem Bundeskanzleramt, dass die erforderlichen Kriterien nicht erfüllt werden. Als besondere Voraussetzung sei nämlich die Mitfinanzierung mindestens einer Gebietskörperschaft in gleicher Höhe wie durch die Bundesministerin für Frauenangelegenheiten erforderlich. Magerle findet das verrückt: „Frauenservicestellen werden mit 50.000 Euro gefördert. Das Land soll also gleich viel zahlen, damit wir Geld vom Bund bekommen.“

Nachdem es sich nur um eine Mitteilung gehandelt hat und keinen Bescheid, konnte Magerle nicht einmal dagegen berufen. „Ich kann das natürlich nicht akzeptieren und sandte nach den Wahlen eine Mail an Ministerin Stilling. Am 28. Oktober erhielt ich aus dem Kabinett der Bundesministerin einen freundlichen Anruf, dem ich entnehmen konnte, dass einfach kein Budget da ist und ich vom Land mehr verlangen soll“, ärgert sich Magerle.

Die Beratungen in St. Johann seien der erste Schritt aus der Gewaltspirale. Der Verein arbeite ehrenamtlich und erhalte auch finanzielle Unterstützung aus den Gemeinden des Bezirks, am meisten von der Marktgemeinde St. Johann. Magerle: „Wenn wir nicht genügend private Spenden hereinbekommen, wird die Situation im kommenden Jahr aber prekär. Wir müssen die Beraterinnen ja bezahlen.“ Der Verein stellt in St. Johann auch Frauenwohnungen als Rückzugsort zur Verfügung. Derzeit werden dort in Summe vier Frauen und drei ­Kinder betreut.

Unterstützung kommt jetzt von privater Seite: Mathias Gottwald und Frank Lang sind an Magerle herangetreten, um dem Verein finanziell zu helfen. Und zwar mit der Veranstaltung Kitz Boom Bang am 26. Dezember von 14 bis 22 Uhr im Hartsteinwerk in Oberndorf. Der Erlös soll an das Mädchen- und Frauenberatungszentrum gehen.


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