Bei Budgetdisziplin ist in Tösens kein Engpass zu erwarten

Tösens ließ Finanzlage prüfen, nachdem ein hoher Verschuldungsgrad bekannt wurde. Experte präsentierte Ergebnis bei Gemeindeversammlung.

In Tösens sind die Einnahmequellen überschaubar. Trotzdem ist eine Budgetsanierung laut Analyse machbar.
© Wenzel

Tösens –„Ihre Gemeinde hat derart hohe Schulden, dass Sie beim Kindergartenpersonal einsparen müssen.“ Diese E-Mail-Nachricht eines Innsbrucker Nationalratswahlkandidaten an den Tösner Bürgermeister Bernhard Achenrainer hatte im Sommer für Ärger in der Gemeinde gesorgt. Der Verschuldungsgrad war laut Landesbericht auf 87 Prozent geklettert.

Vor diesem Hintergrund ließ die Gemeinde ihre Situation vom Dienstleister GemNova analysieren. Das Ergebnis präsentierte Christoph Carotta, Referent für Kommunalfinanzen und neue Gemeindebuchhaltung „VRV“, diese Woche bei der gut besuchten Tösner Gemeindeversammlung. Carotta sprach von einer „grundsätzlich positiven Entwicklung“, auch in Hinblick auf das erstmals erhobene Gemeindevermögen in Höhe von rund neun Mio. Euro. „Wobei das Vermögen einen buchhalterischen Wert darstellt und nicht überbewertet werden darf.“

Demgegenüber steht, so Carotta, aktuell ein Schuldenstand von einer Mio. Euro. Der Verschuldungsgrad sei künftig nicht mehr relevant, diesen werde es nach der neuen Gemeindebuchhaltung ab 2020 nicht mehr geben. Entscheidend sei die Liquidität. Sein Resümee brachte er so auf den Punkt: „Tösens wird nicht auf allen Hochzeiten tanzen können. Aber bei guter Budgetdisziplin und begleitendem Controlling sind keine Engpässe zu erwarten.“

Auch wenn die Darstellung der Gemeindefinanzen künftig anders sein werde, „ändert sich an den Grundprinzipien der öffentlichen Haushaltsführung nichts“, zeigte Andreas Walser, Leiter der Gemeindeabteilung an der BH Landeck, am Freitag im TT-Gespräch auf. Walser warnte vor einer „zu optimistischen Darstellung“ der Lage. „Von einer Gemeindestraße kann niemand etwas abbeißen.“ In der neuen Buchhaltung werde es sehr wohl Kennziffern geben, welche die Gemeinden vergleichbar machen.

BM Achenrainer sah sich veranlasst, das Kinderzen­trum bzw. die Kosten (2,7 Mio. Euro, davon eine halbe Mio. Gemeindeanteil) zu verteidigen: „Es ist eine Investition in die Zukunft von Tösens. Die Gemeinde steht dazu.“ (hwe)


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