Die vielen Gesichter der Obdachlosigkeit in Tirol

Wenn die Temperaturen sinken, freuen sich die meisten Leute über gemütliche Abende in geheizten Wohnungen. Für die vom Verein für Obdachlose...

Trotz Winternotschlafplätzen findet ein bestimmter Teil von Obdachlosen nicht den Weg zu einem sicheren Platz.
© dpa

Wenn die Temperaturen sinken, freuen sich die meisten Leute über gemütliche Abende in geheizten Wohnungen. Für die vom Verein für Obdachlose betreuten Menschen bedeutet diese Zeit allerdings die größte Herausforderung. „Obdachlosigkeit stellt das ganze Jahr über eine schwierige Lebenssituation dar, im Winter wird es aber existenziell", sagt Hanne Hoferichter, Straßensozialarbeiterin vom Verein für Obdachlose.

Die Winternotschlafplätze bieten zwar vielen ein Bett in geheizten Räumen, reichen jedoch nicht immer aus und stellen nicht für alle ein annehmbares Angebot dar. Gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen würden an großen Einrichtungen scheitern: „Für manche ist bereits der Weg dorthin nur schwer machbar, wenn sie es doch schaffen, ist einigen der Druck der Konkurrenz beim Einlass zu hoch oder sie halten schlicht und einfach eine Nacht in einem Mehrbettzimmer nicht aus," berichtet Streetworkerin Julia Jehle.

Aber auch andere Hürden prägen das Leben auf der Straße: So gab es in letzter Zeit immer wieder Kontrollen der Polizei, bei denen Verwaltungsstrafen wegen Alkoholkonsums in verbotenen Zonen oder wegen Bettelns zugestellt wurden. Bei Nichteinbringbarkeit führt dies dann oft ohne viele Umwege in eine Ersatzfreiheitsstrafe — eine äußerst kontraproduktive Herangehensweise, findet Hanne Hoferichter: „Durch die teils sehr hohen Strafen und Haftaufenthalte wird es Menschen noch schwerer gemacht, aus ihrer schwierigen Situation herauszukommen."

Wie schwierig der Ausstieg aus der Wohnungslosigkeit ist, weiß auch Michael Hennermann vom Verein für Obdachlose: „Täglich stehen unsere Mitarbeiter mit verzweifelten Menschen vor der nahezu aussichtslosen Aufgabe, Wohnungen zu finden. Die Konkurrenz ist groß, die Preise absurd." (TT, lipi)

Um Betroffenen auf der Straße besser helfen zu können, ist der Verein auch auf Spenden angewiesen.


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