Nationalbibliothek übernimmt Teil-Vorlass von Mayröcker

Ihre mit Zetteln und Manuskripten übersäte Wohnung ist legendär, nun dürfte Friederike Mayröcker, die am 20. Dezember ihren 95. Geburtstag feiert, wieder mehr Platz bekommen: Wie die Österreichische Nationalbibliothek am Freitag bekannt hab, hat man einen umfangreichen Teil-Vorlass der österreichischen Grande Dame der Lyrik übernommen.

Nach Abschluss der schrittweisen Akquisition der Materialien, die aus der seit Jahren unbenutzten früheren Schreibwohnung Mayröckers stammen, sollen es mehrere Hundert Archivboxen sein. Mayröcker erhält im Gegenzug 210.000 Euro, wie die Nationalbibliothek auf APA-Anfrage bekanntgab. Der Betrag basiert auf einem Gutachten von Jürgen Thaler, Leiter des Franz-Michael-Felder-Archivs in der Vorarlberger Landesbibliothek. Bei den Materialien handelt es sich um Archivboxen voller Notizen, Textentwürfe, Briefe, Fotos, Zeichnungen, persönlicher Gegenstände und Widmungsexemplare von Freunden und Weggefährten. Der Neuzugang wird derzeit vom Literaturarchiv übernommen und umfassend dokumentiert, damit er für die Forschung und für Ausstellungen zur Verfügung steht.

Vor dem Beginn der Übernahmearbeiten wurden alle Arbeitsräume noch einmal von der Foto- und Medienkünstlerin Claudia Larcher dokumentiert. Die Vereinbarung beinhaltet auch die Übernahme aller Materialien, die sich in der aktuellen Schreibwohnung Mayröckers befinden und die zu einem späteren Zeitpunkt übernommen werden. Ebenso inkludiert sind alle Texte, die die Autorin in Zukunft noch verfassen wird.

„Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, diesen für die Literatur- und Kulturgeschichte Österreichs so bedeutsamen Teil-Vorlass für die Nachwelt zu sichern. Friederike Mayröcker war natürlich auch bisher schon im Literaturarchiv und im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek vertreten, mit diesem Neuzugang eröffnen sich aber für die Forschung und für museale Präsentationen ganz neue Möglichkeiten“, freute sich ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger laut Aussendung.

Friederike Mayröcker veröffentlichte seit den 1950er Jahren weit über 100 Bücher, in ihrem Verlag Suhrkamp sind aktuell 35 Titel lieferbar, darunter Gesamtausgaben der Gedichte und der Prosa. Ein Teil von Mayröckers Vorlass befindet sich bereits in der Wienbibliothek im Rathaus. Dabei handelt es sich um 34 Archivboxen mit Schriften aus den Jahren 1965 bis 2007, die in den Jahren 1980, 1988, 1997, 2005 und 2007 erworben wurden.


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