Fischer beklagen Massentod von Fischnachwuchs in der Sill

Die Öffnung der Stauanlagen des Kraftwerks in Steinach soll laut Fischereiverband die Laichplätze der Bachforelle zerstört haben.

Auf dem Bild ist ein ehemaliger Laichplatz zu sehen, der fast zur Gänze vom Schlamm begraben wurde.
© Fischereiverband

Steinach a. Br. –Mangelnde Sensibilität im Umgang mit dem Fisch-Nachwuchs wirft der Tiroler Fischereiverband der Gemeinde Steinach als Kraftwerksbetreiber vor. Zur Vorgeschichte: Am 20. November wurden die Wehranlagen der Wasserkraftwerke an der Sill geöffnet. Durch das Abfließen des Wassers wurde abgelagerter Schlamm und Sand flussabwärts getragen, was dort an den Laichplätzen der Bachforelle zum massenhaften Tod von Fischeiern und -larven geführt habe. „Eine unnötige Gefährdung der heimischen Bachforelle“, heißt es von Seiten des Fischereiverbands. Nach dem Öffnen der Stauanlagen zeigten die Messungen des hy­drographischen Dienstes eine 800-fache Erhöhung der Wassertrübung.

„Gerade im Winter sind unsere Tiroler Bäche normalerweise glasklar, es gibt keine Trübung. Die Bachforelle ist daran angepasst, sie benötigt lockeren und gut durchströmten Kies, in dem sie ihre Eier vergraben kann. Wenn Schlamm und Sand die Eier überdeckt, bekommen sie zu wenig Sauerstoff und sterben ab“, erklärt Zacharias Schähle, Geschäftsführer des Fischereiverbands.

Auch wenn das Vorgehen der Gemeinde kritisiert wird, so war das Öffnen der Stauanlagen rechtens. Auflagen dazu gibt es für das Kraftwerk in Steinach nämlich nicht.

Bürgermeister Josef Hautz zeigt sich ob der Vorwürfe perplex: „Ich höre davon heute zum ersten Mal.“ Der Klärwärter mache seine Arbeit bereits seit Jahrzehnten – „noch nie hat es etwas gegeben. Er hat die Stauanlagen geöffnet, weil Laub alles verstopft hat. Die Öffnung erfolgt ein- oder zweimal im Jahr. Und zwar immer dann, wenn es nötig ist. Das wurde immer schon so gemacht“, betont Hautz. Er äußert Unverständnis darüber, dass der Fischereiverband nicht mit der Gemeinde in Kontakt getreten sei.

Der Fischereiverband sieht nun auch die Landespolitik in der Pflicht: Spülungen sowie das Öffnen der Staubecken sollten in dieser Zeit tabu sein. „Es wäre höchste Zeit, hier eine einheitliche Regelung für Tirol zu treffen, um den empfindlichen Fisch-Nachwuchs in den Wintermonaten tatsächlich zu schützen“, fordert Zacharias Schähle. (dd, TT)


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