Vortrag im MCI: Die Zukunft der Luftfahrt

Stefan Pichler, Vorstandsvorsitzender der Royal Jordanian Airlines, gab MCI-Studierenden Einblicke ins Airline-Business.

Stefan Pichler, 1957 in München geboren, wollte sich zur Ruhe setzen – und gestaltet stattdessen.
© MCI

Innsbruck –Eine außergewöhnliche Persönlichkeit nahm kürzlich auf dem MCI-Podium Platz: Der in München geborene Stefan Pichler ist Vorstandsvorsitzender der Royal Jordanian Airlines in Amman und erzählte den Studierenden von seinen 20 Jahren internationaler Erfahrung als CEO verschiedenster Airlines. Fast nebenbei gab er Einblicke in die Entwicklung des internationalen Airline-Geschäftes und skizzierte Trends, die die Zukunft bestimmen werden.

Beruflichen Stationen bei Nike, Lufthansa, Thomas Cook, Jazeera Airways in Kuwait, Virgin Blue (heute Virgin Australia) des Multiunternehmers Richard Branson und Fiji Airways folgte ein vielbeachtetes Engagement als CEO von Air Berlin. Obwohl sich Pichler, Jahrgang 1957, bereits zur Ruhe setzen wollte, ist er heute CEO der Royal Jordanian Airlines. Was ihn nach wie vor antreibt, ist sein unbändiger Gestaltungswille, der ihn auch Risiken eingehen lässt. Diesen Begriff vermeidet er jedoch, er spricht stattdessen von seinen Träumen: Diese Botschaft richtet er auch an sein Publikum: „Dream, and believe in your dreams!“

Pichlers berufliche Schritte im Airline-Geschäft sind markiert von wesentlichen Entwicklungen: Noch in den 80er-Jahren unterlagen die Airlines strengen Regulierungen und unterschieden sich lediglich in Produkt und Marke. Erst die spätere Deregulierung ermöglichte neue Preismodelle und Distributionswege. Die 90er-Jahre waren die Zeit der Allianzen: Airlines gingen Kooperationen ein, um ihre Netzwerke zu vergrößern und Märkte besser bearbeiten zu können. Gleichzeitig positionierten sich Billigfluggesellschaften auf dem Markt, die mit vollkommen anderen Produkt-, Preis- und Vertriebsstrategien arbeiteten. 9/11 im Jahr 2001 schließlich stellte die gesamte Branche auf den Kopf: Die Umsätze gingen um bis zu 80 Prozent zurück. Um zu überleben, mussten neue Strategien entwickelt werden. Erstmals wurden nun ganz klar die Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt.

Laut dem Airline-Manager werden vier Trends das Airline-Geschäft prägen: Es werde zu einer weiteren globalen Konsolidierung kommen. In den USA halten die vier größten Airlines einen Marktanteil von 88 Prozent. In Europa kommen Ryanair, Lufthansa, IAG und easyJet derzeit gemeinsam auf 67 Prozent Marktanteil – Pichler rechnet in den nächsten Jahren mit 80 Prozent. Auch stehe das Kundenerlebnis mehr im Mittelpunkt. Airlines werden ihre Ware direkt an die Kunden verkaufen, wobei die Supply-Chain immer stärker automatisiert wird. Ein Thema sei auch die Nachhaltigkeit, allein aufgrund des Bevölkerungswachstums nimmt das Flugaufkommen zu. Aktuell fliegen pro Jahr vier Milliarden Passagiere, in zwei Jahren werden es bereits acht Milliarden sein. Es sei das Gebot der Stunde, dass Fluglinien Lösungen zum Schutz des Planeten entwickeln müssen. Und schließlich werden die bisher gelebten „Monokulturen“ in den Airlines zugunsten einer größeren Vielfalt und Diversität der Mitarbeiter aufgebrochen. Unterschiedliche Kulturen und Fähigkeiten und Talente werden die Produktivität und Innovationskraft steigern. (TT)


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