Franz Pöhacker: Monumental im Kleinformat

Frühe Arbeiten stehen in Franz Pöhackers Ausstellung im Schwazer Rabalderhaus neben erst entstandenen. In denen sich der 92-jährige Künstler erfrischend neu erfindet.

Aus dem Jahr 1961 stammt die Bronzefigur „Die Gebundenen“ von Franz Pöhacker.
© Watzek

Von Edith Schlocker

Schwaz –Allein schon die Art und Weise, wie Franz Pöhackers selbst bildhauernder Sohn Magnus die Ausstellung für seinen Vater inszeniert hat, ist sehenswert. Indem er nach einer exakt ausgeklügelten Choreographie kleinformatige, auf weiße Sockel gestellte Skulpturen in den Räumen des Rabalderhauses verteilt hat, umhängt von Zeichnungen und Reliefs, durch die sich der Künstler an seine Formen herantastet.

Was die von Günther Dankl kuratierte Ausstellung aber so besonders macht, ist, dass hier nicht nur vorgeführt wird, wie sich der inzwischen 92-jährige Wotruba-Schüler Stück für Stück vom Vorbild seines großen Lehrers emanzipiert hat, sondern wie er gerade in seinen späten Jahren immer wieder Ansätze von früher aufgreift, um sich allerdings nicht platt zu zitieren, sondern die Formfindungen von gestern erfrischend neu zu interpretieren.

Dass im Rabalderhaus kein Platz für seine Großskulpturen ist, bedauert Franz Pöhacker in keinster Weise. Sei er doch eigentlich „der Bildhauer für den kleinen Mann“, so der Künstler anlässlich seines 90. Geburtstags vor zwei Jahren. Ist er doch fest davon überzeugt, dass die Monumentalität keine Frage der Größe ist. Die winzigen, fast auf ein Nichts reduzierten Skulptürchen des großen Alberto Giacometti seien dafür der beste Beweis.

Sosehr sich Franz Pöhacker in seinem langen Künstlerleben auch gewandelt hat, der menschlichen Figur als Konstante ist er immer treu geblieben. Mag er doch seine Artgenossen und die Frauen ganz besonders. Um sie zur archaischen, mit üppigen Formen ausgestatteten Muttergöttin zu stilisieren oder zur schlanken Stele zu segmentieren. Zelebriert als lustvolles Spiel aus konvexen und konkaven Biegungen. Wobei klar wird, dass hier ein ewig Suchender am Werken ist, ein nie wirklich mit sich Zufriedener, der sich gern von sich selbst überraschen lässt.

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„Kunst ist für mich der Versuch, das Unvorstellbare, Unbegreifliche sichtbar zu machen“, sagt Pöhacker, gehe es ihm doch nie um ein plumpes Abbilden der Wirklichkeit, sondern um das Formulieren von Sinnbildern. Weshalb auch nie ein bestimmtes Individuum gemeint ist, sondern der Mensch schlechthin, der in der Pöhacker’schen Interpretation bisweilen durchaus zu Landschaftlichem werden kann. Zu einer sanft hingelagerten genauso wie zu einer spröd gebirgigen.

Die Schwazer Schau ist zwar zum größten Teil mit Bronzen bestückt, zur Findung seiner Formen bedient sich Franz Pöhacker allerdings geschmeidiger Materialien wie Gips oder Plastillin. Ist es dem Künstler doch wichtig, die Spuren seiner Hände in seinen Arbeiten zu hinterlassen. Berührend vorgeführt in einer Serie winziger weißer Figürchen. Die sowohl Abdrücke der knorrigen Finger des Bildhauers sind als auch rhythmisch strukturierte Figuren, wie man sie aus dem Pöhacker’schen Kanon so gut kennt.

Es gibt Phasen in Pöhackers Werk, in dem er die menschliche Figur auch gern zum Relief reduziert, sozusagen zum Zwitter aus Zwei- und Dreidimensionalem macht. Obwohl die menschliche Figur zu umkreisen Franz Pöhacker nie langweilig geworden ist, gibt es aber auch Arbeiten, in denen er allein mit Proportionen bzw. geometrischen Strukturen spielt. Um bisweilen im raffinierten Jonglieren mit Faltungen und Räumen sogar ins Architektonische vorzudringen.

Im Rahmen der Finissage der Schau wird am 22. Dezember um 17 Uhr das von Franz Pöhackers Sohn Daniel mit großer Empathie gemachte filmische Porträt seines Vaters gezeigt, dem er den Titel „Begreifen“ gegeben hat.


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