Nach Protesten: Bewährungsstrafe für russischen Videoblogger

Die russische Justiz hat im Fall eines angeklagten Studenten nach den Moskauer Massenprotesten im Sommer eine vergleichsweise milde Strafe gesprochen. Eine Richterin verurteilte Jegor Schukow am Freitag wegen angeblicher extremistischer Äußerungen in seinem Blog zu drei Jahren Haft auf Bewährung, wie das Gericht in Moskau mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor vier Jahre Straflager für den 21-Jährigen gefordert. Er darf nun zwei Jahre nichts mehr auf seiner Internetseite veröffentlichen.

Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich mehr als 150 Unterstützer, überwiegend junge Leute. Sie applaudierten laut, als das Urteil bekannt wurde, wie ein dpa-Reporter berichtete. Die Menge skandierte unter anderem immer wieder „Russland ohne Putin“ und „Nein zu Repressionen“. Viele Unterstützer Schukows saßen im Gerichtssaal, darunter Rapper Oxxxymiron und Schauspielerin Tschulpan Chamatowa.

Der Student und Videoblogger war im Sommer vor den Wahlen zum Moskauer Stadtparlament festgenommen worden. Er wollte dafür kandidieren, zog seine Bewerbung aber zurück und unterstützte Oppositionspolitiker. Die Ermittler warfen ihm zunächst vor, Demonstrationen angeführt zu haben. Als sich dies nicht bewiesen ließ, wurde er wegen Äußerungen in seinem Blog angeklagt.

Bei den Protesten gegen den Ausschluss Dutzender prominenter Oppositioneller von der Wahl Anfang September hatte es Tausende Festnahmen gegeben. Die meisten kamen danach wieder frei. Polizei und Justiz stehen in der Kritik, überzogen hart gegen Teilnehmer vorgegangen zu sein.

Das Gericht verurteilte am Freitag außerdem einen 32-Jährigen zu einer Geldstrafe, weil er bei einer Kundgebung einen Polizisten mit einer Plastikflasche geschlagen haben soll. Ein weiterer Angeklagter muss demnach wegen Gewalt an Polizisten für ein Jahr ins Straflager. Eine 27-Jährige erhielt eine Bewährungsstrafe.


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