Krippenbauer Hans Knapp: „Eine Krippe muss nicht perfekt sein“

Hans Knapp hat sich als Krippenbauer einen Namen gemacht. Obwohl er unzählige Werke gebaut hat, sind seine Ehrfurcht und Freude ungebrochen.

Der Weerberger Hans Knapp verbringt den Großteil seiner Zeit in der Werkstatt. Sein Herz schlägt fürs Krippenbauen und Schnitzen.
© Fankhauser Eva-Maria

Von Eva-Maria Fankhauser

Weerberg –Routiniert liegt das Schnitzmesser in seiner Hand. Er zieht eine lange Furche durchs Holz. Daneben gleich die nächste. Kurz hält er inne. Blickt auf den Wurzelstock vor ihm. Er lächelt, ist zufrieden. Vorsichtig streicht er mit der Hand übers bearbeitete Holz. „Man muss ja auch bei den Krippen mit der Zeit gehen. Die stilisierte Art mag ich sehr. Da müssen die Formen und Proportionen aber stimmen und wie aus einem Guss sein“, erklärt Hans Knapp. Bei jeder Bewegung mit dem Schnitzmesser sieht man ihm seine Leidenschaft für dieses Handwerk an.

Bei seiner Arbeit als Depotverwalter im Volkskunstmuseum in Innsbruck entwickelte Knapp eine Leidenschaft für Krippen. „Da kam ich viel in Kontakt mit ihnen und musste auch Figuren reparieren“, erzählt der Weerberger und fügt hinzu: „Ohne Freude und Ehrfurcht ging das aber nicht.“

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Unzählige Krippen hat Knapp seither gebaut. Für sich, für andere, in Lehrkursen. Dabei macht der 78-Jährige vor nichts Halt. Neben den typischen Krippen hat er auch aus Kürbissen oder Wurzelstöcken die Hl. Familie geschnitzt. Seine Fantasie kennt keine Grenzen. „Bei den Wurzelkrippen geht es nicht ums Kunstwerk an sich, sondern darum, sich mit jeder Wurzel auseinanderzusetzen“, sagt Knapp. Nicht jeder Stock sei geeignet und der Wuchs gebe vor, wo man ansetzen könne. Mittlerweile gestaltet Knapp am Weerberg einen Wurzelkrippenweg mit rund 16 Werken. Besonders stolz ist er zudem auf seinen selbst geschnitzten Kreuzweg. „So etwas gibt es wohl kein zweites Mal.“

Alle Hände voll zu tun hatte er seit dem Sommer mit der Organisation der derzeitigen Ausstellung im FeuerWerk in Fügen. Dafür hat er vor allem Raritäten zusammengesammelt. Von einer Großkrippe des Stubaiers Günther Pließnig bis hin zu bisher nicht öffentlich gezeigten Figuren des „Krippengurus“ Johann Eberharter aus Kaltenbach. Der Transport mancher Krippe bereitete ihm Kopfzerbrechen. Zudem hat er bei so manchem Werk sein Können beweisen müssen und Hintergründe gemalt oder Bäume repariert.

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Gerade in der Vorweihnachtszeit kommen viele mit kaputten Krippenfiguren zu ihm. „Das ist nicht immer ganz leicht. Vor allem alte Figuren haben oftmals sehr filigrane Hände, Finger oder Engelsflügel. Und ich zittere schon immer wie ein Eichkatzlschweif“, scherzt Knapp. Die Vielfalt der Figuren begeistert ihn immer wieder. Dennoch brauche es viel Feingefühl. Einfach „drübermalen“ komme für ihn nicht in Frage. Er wolle stets das Original erhalten. „Ich habe mir das alles von A bis Z selbst beigebracht. Ich habe schon mal Kurse besucht oder in Technik hineingeschnuppert, aber neben einem gewissen Talent gehört auch einfach der Wille dazu“, sagt Knapp. Der fehle oftmals bei Laien, die an einem Krippenbaukurs teilnehmen. „Die Leute nehmen sich einfach nicht mehr die Zeit, schauen ständig auf die Uhr und wollen das gar nicht richtig“, meint Knapp. 1977 gab er seinen ersten Kurs. Mittlerweile tut er es nur noch selten. „Ich mag diesen Druck nicht, dass innerhalb von 30 Stunden eine Krippe fertig sein muss. Das ist nicht der Sinn dahinter.“ Seine Devise lautet: „Eine Krippe muss nicht perfekt sein. Nur das, was man selber macht, überlebt und ist nachhaltig.“ Was eine schöne Krippe für ihn ausmache? „Es gibt keine schiachen oder schiane. Das Gesamt muss einladend aussehen“, sagt Knapp. Von „übertriebenem Perfektionismus“ hält er wenig.

Gemeinsam mit zwei anderen hat Knapp sogar ein Buch übers Krippenbauern verfasst. Es ist eine Leidenschaft, die ihn nach so vielen Jahren noch immer fasziniert und freut.


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