Mindestens 19 Menschen nahe Protest-Camp in Bagdad getötet

Am Rande von Protesten in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Freitag nach Polizeiangaben mindestens 19 Menschen getötet worden, darunter drei Polizisten. Mehr als 70 weitere Menschen seien durch Schüsse und Messerstiche in der Nähe des größten Protest-Camps auf dem Tahrir-Platz verletzt worden. In Sicherheitskreisen hieß es, bisher sei unklar, wer die Demonstranten attackiert habe.

Iraks oberster schiitischer Geistlicher, Großayatollah Ali al-Sistani, mahnte unterdessen, ein Nachfolger für Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi müsse ohne Einflussnahme aus dem Ausland bestimmt werden. Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach der einflussreiche Kommandant der iranischen Quds-Brigaden, der Eliteeinheit der Revolutionsgarden, Qassem Soleimani, diese Woche in Bagdad war. Er habe dort Unterstützung für eine neue Regierung gesucht, die weiter die Interessen des schiitischen Nachbarlandes Iran bedienen würde.

Mahdi, der vom Iran unterstützt wird, hat wegen der seit zwei Monaten andauernden Proteste gegen die Regierung seinen Rücktritt angekündigt. Die Proteste richten sich gegen Korruption in der Politik und schlechte Lebensbedingungen. Mehr als 400 Demonstranten wurden durch die Sicherheitskräfte getötet. Sistani verurteilte die Tötung unbewaffneter Demonstranten mehrfach. Er lehnt eine ausländische Einflussnahme im Irak ebenso ab wie das iranische Staatsmodell, in dem hochrangige Geistliche direkt in die Führung des Staates eingebunden sind, und hat sich bisher nur in Krisenzeiten in die Politik im Irak eingeschaltet.

Die USA und der Iran sind die beiden wichtigsten Verbündeten des Irak, wobei Anhänger der Regierung in Teheran weitgehend die staatlichen Institutionen in Bagdad beherrschen. Der irakische Präsident Barham Salih hat bis zum 16. Dezember Zeit, einen neuen Ministerpräsidenten zu benennen.

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