Neue Luegbrücke: „Hier wird ein ganzes Tal entmündigt“

Die Asfinag will die Luegbrücke der Brennerautobahn neu bauen. Bevölkerung wie Politik fordern den Tunnel. Die Fronten sind verhärtet. Die Asfinag möchte nun Politiker aus den Gemeinden und vom Land zu einem Gespräch einladen.

Stefan Siegele (Asfinag) präsentiert das Projekt Neubau bzw. eine Variante für die Luegbrücke für die Bevölkerung im Kultursaal Gries am Brenner.
© Thomas Boehm / TT

Von Manfred Mitterwachauer

Gries a. Br. — Der Andrang und das Interesse waren gestern im Kultursaal der Gemeinde Gries am Brenner groß. Die Empörung auch. Hatte die Asfinag doch zur erstmaligen öffentlichen Vorstellung ihrer Pläne für die Luegbrücke auf der Brennerautobahn im Wipptal — die längste Brücke im gesamten Straßennetz der Asfinag — geladen. Und die lautet: Neubau. Bevölkerung und örtliche Politik wollen den Tunnel.

Die aufgehängten Karten, Pläne und Visualisierungen wurden ausgiebig studiert und untereinander heiß diskutiert. Die rund 15 angerückten Asfinag-Mitarbeiter mit Projektentwicklungs-Regionalleiter Günter Fritz an der Spitze waren redlich bemüht, zu allen Fragen Auskunft zu geben. „Da wird dann Tag und Nacht gearbeitet", befürchtet eine Grieserin Dauerlärm und -staub beim Brückenneubau. Andere Anrainer vermuten, dass die Luegbrücke erst der Anfang sein könnte, die A13 komplett auf drei Spuren je Richtung auszubauen. Und somit noch mehr Verkehr anzulocken. Das Öffnen der neuen Pannenstreifen sieht auch Robert Renzler, Generalsekretär des Österreichischen Alpenvereins, jedoch gestern als besorgter Grieser Gemeindebürger vor Ort, als Gefahr: „Wenn einmal die Infrastruktur steht, dann wird sie auch benützt werden." Die einzig wahre Entlastung könne nur ein Tunnel bringen. Dass die Asfinag nicht ergebnisoffen diskutieren wolle, sondern ein fix und fertiges Projekt präsentiere, sei eine Frechheit, so Renzler: „Hier wird ein ganzes Tal entmündigt."

Auch von Seiten der lokalen Politik wehte der Asfinag gestern rauer Wind entgegen. Der Grieser Bürgermeister Karl Mühlsteiger hatte alle Regionskollegen des Planungsverbandes versammelt. Nationalrats- und Landtagsmandatare lieferten Schützenhilfe. Einstimmig sei man für den Tunnel, sagt Mühlsteiger. Weder glaube man der Asfinag, den labilen „Padauner Berg" in den Griff zu bekommen, noch das Asfinag-Bekenntnis, „keine dritte Spur" zu planen, wie Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele gestern mehrfach bekräftigte. Zudem benötige die Asfinag noch Grundstücke — einige davon von der Gemeinde. Hilfe erhofft sich Mühlsteiger von einem neuen Verkehrsminister — wer immer das auch sein möge: „Wir marschieren nach Wien." Und drohte mit Blockaden. Derweil wird von ihm eine Bürgerbefragung geplant. VP-LA Florian Riedl fordert die Asfinag auf, die Unterlagen für alle Varianten extern zu prüfen: „Damit wir wissen, ob die Bestvariante auch die beste ist."

Das Lueg-Projekt:

Neubau: In einer ersten Phase will die Asfinag parallel zur bestehenden Brückentrasse ein neues Tragwerk (für die neue Fahrtrichtung Innsbruck) errichten. Derweil soll der Verkehr „normal" auf der alten Trasse rollen. Ist diese neue Brücke fertig (Dauer: 2 bis 2,5 Jahre), wird der Verkehr darauf umgeleitet (je zwei — verschmälerte — Fahrstreifen in jede Richtung). Dann soll die alte Brücke abgetragen werden (rd. 8 Monate) und an derselben Stelle ein neues, zweites Tragwerk der Luegbrücke (Fahrtrichtung Brenner) gebaut werden (2 Jahre).

Zeitplan: Der Bau soll 2021 starten, die Freigabe 2026 erfolgen.

Kosten: Die Kosten werden mit 200 Mio. Euro angegeben.

Details: Zusätzlich sind Steinschlag- und Hochwasserschutzmaßnahmen und ein Radweg geplant. Die neue Brücke soll auf 1,75 Kilometer (Bestand: 1,8 km) verkürzt werden. Die Breite wächst durch zusätzliche Pannenstreifen von 22,5 auf 30,9 Meter.

Varianten: Geprüft wurden eine große, zweiröhrige Tunnelvariante (über 300 Mio. Euro), ein Kurztunnel sowie ein Mix aus Tunnel und Brücke.

Siegele will die Unterlagen gerne zur Verfügung stellen und legte ein Angebot für einen runden Tisch. Gleichzeitig sind er und Fritz davon überzeugt, dass der Brückenneubau nicht nur aus Gründen einer höheren (Verkehrs-)Sicherheit besser sei, sondern auch die geringste Belastung für die Bevölkerung nach sich ziehe. So müsse ein Tunnel bei Unfällen, Staus oder Wartungsarbeiten gesperrt und in der Folge der Verkehr umgeleitet werden. Am Ende sogar über die Brennerbundesstraße. Das sei bei einer Brücke anders, so die Asfinag. Brücken seien im Notfall auch Stauflächen. Das Kostenargument, beteuerte Siegele, sei keines: „Wenn wir der Meinung wären, ein Tunnel sei die bessere Variante, würden wir auch 100 Millionen Euro mehr ausgeben."

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So soll die neue Brücke aussehen.
© Thomas Böhm

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