Gefangenenaustausch zwischen Iran und USA in Zürich

Die USA und der Iran haben am Samstag überraschend zwei Gefangene ausgetauscht. Der Iran ließ den seit 2016 festgehaltenen US-Staatsbürger Xiyue Wang frei, die USA den 2018 festgesetzten iranischen Professor Massoud Soleimani. Laut dem Iran wurden sie in Zürich ausgetauscht. „Danke an den Iran für sehr faire Verhandlungen“, twitterte US-Präsident Donald Trump.

Der Austausch zeige, dass die beiden Länder zusammen Vereinbarungen treffen könnten, sagte Trump. Er hatte in den vergangenen Monaten mehrmals Interesse an einem „Deal“ mit dem Iran bekundet, nachdem die beiden Länder infolge des von Trump verkündeten Austritts aus dem Iran-Atomdeal mehrmals an den Rand einer offenen militärischen Auseinandersetzung geraten waren.

Ob die seltene Kooperation den Beginn besserer Beziehungen zwischen den beiden Ländern einläuten wird, blieb zunächst unklar. Ein US-Regierungsvertreter erklärte, man hoffe auf die Freilassung weiterer US-Amerikaner im Iran und auch darauf, dass der Austausch ein Zeichen sei, dass Teheran zur Verhandlung anderer Themen bereit sei.

Trump hatte nach dem einseitigen Ausstieg aus dem Atomdeal im vergangenen Jahr scharfe Sanktionen verhängt, die die iranische Wirtschaft und die Bevölkerung schwer treffen. Die USA wollen unter anderem ein neues Abkommen, das auch das Raketenprogramm des Iran einbezieht. Die Teheraner Führung hingegen macht die Aufhebung sämtlicher Sanktionen zur Bedingung für Gespräche.

Scharfe Töne in Richtung Iran kamen indes von Israel. Außenminister Israel Katz sagte am Rande eines Besuches in Italien, dass Israel den Erzfeind bombardieren könnte, um ihn an der Erlangung von Atomwaffen zu hindern. „Ja, das ist eine Option“, sagte Katz der Zeitung „Corriere della Sera“ (Samstag). „Wir werden dem Iran nicht erlauben, Atomwaffen zu produzieren oder zu erhalten“, antwortete er auf die Frage, ob eine Bombardierung des Iran eine Option sei, die Israel in Betracht ziehe.

Wang war 2016 im Iran festgenommen und 2017 wegen Spionage zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Die Universität Princeton, an der er studiert, hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Wang wurde der Universität zufolge 1980 in Peking geboren und wanderte 2001 in die USA ein, deren Staatsbürger er 2009 wurde. Seine Frau und seine Kinder sind chinesische Staatsbürger.

Soleimani, ein Experte für Stammzellen, war im Oktober 2018 auf dem Flughafen Chicago festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, versucht zu haben, biologisches Material in den Iran zu bringen - was eine Verletzung der US-Sanktionen gegen den Iran bedeutete.

Laut US-Kreisen war der Austausch das Ergebnis von drei bis vier Wochen intensiver Verhandlungen. „Wir sind voller Hoffnung, dass uns dies zu weiteren Erfolgen mit dem Iran führen wird“, sagte ein US-Regierungsvertreter. US-Außenminister Mike Pompeo twitterte, er freue sich, dass die iranische Regierung in der Sache konstruktiv gewesen sei.

Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif erklärte, er sei froh, dass Soleimani und Wang bald wieder im Kreis ihrer Familien sein könnten. Er dankte zudem allen Beteiligten an den Gesprächen, vor allem aber der Schweizer Regierung. Auch Trump erklärte, er danke der Regierung der Schweiz für deren Hilfe und wichtige Rolle bei dem Austausch. Die Schweiz vertritt die diplomatischen Interessen der USA im Iran, seit die beiden Länder ihre Beziehungen kurz nach der Islamischen Revolution 1979 kappten.

Der iranischen Agentur Irna zufolge kehrte Soleimani noch am Samstag in den Iran zurück. Wang hingegen sollte noch einige Tage im US-Lazarett im deutschen Landstuhl untersucht werden, ehe er in seine Heimat zurückkehren würde.

Beide Länder halten noch andere Bürger der jeweils anderen Seite fest. So fordern die USA unter anderem seit langem die Freilassung des ehemaligen FBI-Agenten Robert Levinson, der seit 2007 vermisst wird.


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