Umfragen sehen Tories weiter vor Labour

Fünf Tage vor der britischen Unterhauswahl sehen mehrere Umfragen die regierenden Konservativen weiter klar vor der oppositionellen Labour Party. Allerdings ist der Vorsprung am Sonntag laut zwei von drei Instituten geschrumpft. Demnach lag die Partei von Premierminister Boris Johnson um acht bis elf Prozentpunkte vor der Labour Party von Oppositionsführer Jeremy Corbyn.

Eine Erhebung des Instituts YouGov für die „Sunday Times“ sah die Tories mit 44 zu 33 Prozent vorne, wobei die Konservativen um einen Prozentpunkt zulegen konnten und die Labour Party stagnierte. Dieselben Werte verbuchte auch das Institut Deltapoll für die Zeitung „Mail on Sunday“, doch entsprach dies im Vergleich zur vorherigen Erhebung einem Rückgang von einem Prozentpunkt für die Tories und einem Zuwachs von einem Prozentpunkt für Labour.

Beim Institut Savanta ComRes („Sunday Telegraph“) war Johnsons Partei mit 41 zu 33 Prozent in Führung. Demnach verlor die Regierungspartei einen Prozentpunkt im Vergleich zur Umfrage am Mittwoch, während Labour einen Prozentpunkt zulegte. Eine im Auftrag der Anti-Brexit-Gruppe „Remain United“ vom selben Institut durchgeführte Befragung sah Johnsons Partei nur noch mit 42 zu 36 Prozent in Führung.

Die landesweiten Umfragedaten haben nur bedingte Aussagekraft, weil die Unterhauswahl eigentlich aus 650 einzelnen Wahlgängen besteht. In den 650 Wahlkreisen gilt jener Kandidat als gewählt, der die relative Stimmenmehrheit erreicht. Alle anderen Stimmen bleiben ohne Gewicht. Laut einer Berechnung von „Remain United“ würden die Tories aber nach dem jetzigen Stand wie schon bei der Wahl 2017 zwar stärkste Kraft werden, die absolute Mehrheit im Unterhaus aber verpassen. Sie kämen auf 312 Sitze, verglichen mit 320 Sitzen für Labour und die vier Pro-EU-Parteien Liberaldemokraten, Schottische Nationalpartei, Grüne und Plaid Cymru.

Dagegen zeigte eine Mandatsprognose des Instituts Datapraxis für die „Sunday Times“ die Tories weiter auf Mehrheitskurs. Demnach kann die Regierungspartei mit 344 Sitzen rechnen, die Labour Party mit 221. Die Mehrheit ist aber im Vergleich zu einer Modellrechnung vor zwei Wochen von 48 auf 38 Mandate geschrumpft.

Während Johnsons Konservative schon zu Beginn des Wahlkampfes von einem Nichtangriffsversprechen der Brexit Party des EU-Gegners Nigel Farage profitierten, ist das Lager der EU-Befürworter immer noch gespalten. Je näher der Wahltermin rückt, umso mehr profitiert auch Labour von taktischen Überlegungen der Sympathisanten kleinerer Parteien, die ihre Stimme nicht verschwenden wollen.

Bei der zweiten und letzten Fernsehdebatte am gestrigen Freitagabend setzte Corbyn den Premierminister mit Vorwürfen im Zusammenhang mit dem geplanten Handelsdeal mit den USA unter Druck. Großbritannien würden in diesem Fall deutlich teurere Arzneimittelpreise drohen, warnte der Labour-Chef. Als Johnson neuerlich in Abrede stellte, dass der staatliche Gesundheitsdienst NHS Teil des Deals sei, fragte Corbyn mit Blick auf die seit 2017 laufenden Gespräche ironisch, warum es denn zwei Jahre brauche, um „Nein“ zu sagen.


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