Jahrzehnte fürs Ehrenamt und die Mitmenschen

Hansjörg Temmel war zeit seines Lebens einer, der sich in den Dienst anderer gestellt hat. Er hat auch die Lebenshilfe Osttirol mit aufgebaut.

Rosemarie und Hansjörg Temmel blicken auf ein erfülltes Leben und feiern am 20. Dezember ihre diamantene Hochzeit.
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Lienz –Das österreichische Sonderschulwesen wäre nicht, was es ist, hätten nicht engagierte Frauen und Männer aus Osttirol bestimmend daran mitgearbeitet. Das sagt einer, der es wissen muss, weil seine Hände ebenfalls viel in dieser Richtung geleistet haben: Hansjörg Temmel. „Unser Viktor Leibetseder war ein Pionier. Gemeinsam mit anderen haben wir für die bedarfsgerechte Schulung von behinderten Kindern gekämpft und als Vorreiter österreichweit Maßstäbe gesetzt“, erzählt Temmel.

Der pensionierte Beamte in der Schulabteilung an der Bezirkshauptmannschaft Lienz hat gestern seinen 80. Geburtstag gefeiert. „Eigentlich habe ich meiner Frau Rosemarie vor zwanzig Jahren versprochen, dass ich in der Pension kürzertreten werde“, schmunzelt Temmel, als er am Küchentisch sitzt. Rosemarie winkt liebevoll, aber energisch ab. „Aber was.“ Eine innige Verbundenheit strahlen die beiden aus. „Meine Frau hat mir immer den Rücken freigehalten, hat sich liebevoll um den Haushalt und unsere drei Töchter gekümmert. Sonst wäre ein Leben, das immer dem Ehrenamt gewidmet war, nicht zu schaffen.“ Das Frühstück diente der Familie dem Austausch miteinander. Der Vater kam abends erst nach Hause, wenn die Kinder schon lange schliefen. „Ich habe das immer gerne getan“, sagt Rosemarie und fügt hinzu: „Ich glaube, das ist, was heutigen Kindern fehlt und kaum gutzumachen ist: die Zeit und die Zuneigung ihrer Eltern, wenn beide arbeiten gehen müssen. Da läuft viel verkehrt.“

Im Jahr 1961 trat Temmel seinen Dienst in der BH Lienz an. Vier Jahre später dann der Wechsel in die Schulabteilung, im Rückblick gesehen vielleicht eine Bestimmung. „Ich habe immer auf Zusammenarbeit und das Verbindende gesetzt“, blickt der einst einflussreiche Beamte zurück. „Wenn es nötig war, bin ich zum Schmied und nicht zum Schmiedl gegangen.“ So erklärt sich auch, dass 1976, zur Eröffnung der Lebenshilfe-Werkstätte in Lienz, zwar nicht der Bürgermeister, wohl aber Bundespräsident Rudolf Kirchschläger zu Fuß den Weg vom Bahnhof zum Franziskanerkloster zurücklegte, wo fünf Behinderte in zwei Räumen ihrem Tagwerk nachgingen. Entstanden sind damals auch vielbeachtete Fernsehsendungen über diese Arbeit in Osttirol, die Bert Breit und Claus Gatterer gestaltet haben. Als Auswärtiger knüpfte Temmel, in Deutschland geboren und im Pitztal, später in Kartitsch aufgewachsen, über den ältesten Kulturverein der Stadt Kontakte: Der Lienzer Sängerbund 1860 war ihm 41 Jahre lang eine zweite Heimat. 20 Jahre lang hat er ehrenamtlich Bewährungshilfe geleistet. Seit 2002 organisiert der umtriebige Menschenfreund für den Seniorenbund Ausflüge und Reisen. Von 2006 bis 2013 war Hansjörg Temmel außerdem ein geschätzter Koordinator der Chronisten im Bezirk.

Heute reisen die beiden Eheleute gerne. 2011 waren Rosemarie und Hansjörg Temmel in Paris.
© Temmel

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