Gladbach „die Benchmark“, Bayern nur noch Siebenter

Borussia-Trainer Marco Rose gab seine Zurückhaltung ein Stück weit auf. Der Punkte-Schnitt von Bayern-Coach Hansi Flick liegt unter jenem von Vorgänger Niko Kovac.

Gladbach-Coach Rose (M.) und sein Team jubeln weiter von der Tabellenspitze.
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Mönchengladbach/Freiburg - So schnell kann es gehen. Unter dem hochgelobten Interimstrainer Hansi Flick hat der FC Bayern nun bereits das zweite Spiel in der deutschen Fußball-Bundesliga verloren und ist auf Platz sieben abgerutscht. Mönchengladbach gewann am Samstag 2:1 und behielt die Tabellenführung. „Das ist momentan die Benchmark“, beglückwünschte Bayerns Sportchef Hasan Salihamidzic.

Der Großteil der 54.022 Zuschauer im ausverkauften Borussia Park legte nach dem Sieg dank eines späten Penaltytreffers einen alten Gassenhauer aus den glorreichen 1970er-Jahren auf. Damals hatten die „Fohlen“ nicht weniger als fünf Titel geholt. „Die Borussia ist wieder da - Deutscher Meister wie jedes Jahr“, schallte es den Nachfolgern der Siebziger-Helden entgegen. Stefan Lainer und Co. hatten bereits zum vierten Mal in dieser Saison mit einem späten Tor gepunktet.

Leipzig erster Gladbach-Verfolger

„Wer vorne ist, der hat den Anspruch darauf“, kommentierte Bayern-Sportdirektor Salihamidzic die Gladbacher Euphorie. Sogar Borussia-Trainer Marco Rose gab seine Zurückhaltung ein Stück weit auf. „Wir haben gegen den deutschen Meister gespielt. Jeder hat gesehen, wo wir hinwollen“, meinte der Ex-Salzburg-Coach, freilich ohne das Wort Meisterschaft in den Mund zu nehmen. Sein Team führt die Tabelle seit bereits über zwei Monaten an.

Erster Verfolger ist nach einem 3:1 gegen Hoffenheim weiter Leipzig, die Bayern liegen als Siebenter schon sieben Zähler zurück. Das zeigt, dass sich der Erfolg unter Flick doch nicht eingestellt hat. In vier Ligapartien holte der Ex-Assistent von DFB-Cheftrainer Jogi Löw sechs Punkte - das ergibt einen Schnitt von 1,5 Zählern. Vorgänger Niko Kovac hatte es zuvor mit 1,8 Punkten pro Spiel auf einen besseren Schnitt gebracht.

„Sie haben richtig Power nach vorne“, gab sich Flick nachher konsterniert. Er hatte mitansehen müssen, wie das Spiel nach dem 1:0 durch Ivan Perisic (49.) kippte. Erst köpfelte Rami Bensebaini nach einer Ecke zum Ausgleich ein (60.), danach stürmte die Borussia nach vorne und belohnte sich in der Nachspielzeit: Bensebaini verwertete in der 92. Minute einen Strafstoß nach Foul von Javier Martinez gegen Marcus Thuram.

Vor den Bayern steht als Fünfter unter anderem der SC Freiburg. Mit seinem Freistoß aus rund 25 Metern sorgte Kunstschütze Jonathan Schmid gegen den VfL Wolfsburg in der 85. Minute für die Entscheidung. „Ich wäre total zufrieden gewesen mit einem 0:0, da bin ich ehrlich“, räumte SC-Trainer Christian Streich ein. So allerdings freute er sich über „eine Meldung im Jahrhundertbuch. Am 7. Dezember 2019 stand der SC Freiburg am 14. Spieltag mal, weil das ist ja Fakt, vor Bayern.“ Über höhere Ziele wollte der dienstälteste Bundesliga-Coach nicht reden: „Das ist schön für eine historische Nachbetrachtung.“

Glasner kritisiert sein Team

Sein Gegenüber Oliver Glasner kritisierte im Anschluss die Leistung seiner Elf. „Ich bin mit unserem Auftritt überhaupt nicht zufrieden, weil wir - und das nicht zum ersten Mal in dieser Saison - oft nicht bereit sind, an unsere Leistungsgrenze zu gehen“, sagte der Oberösterreicher. „Ich finde das schade, wir machen uns das Leben dadurch oft selber schwer.“ Viermal haben die neuntplatzierten Niedersachsen in den vergangenen fünf Partien nun verloren. (APA/dpa)


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