Vulkanausbruch in Neuseeland: Fünf Tote, kaum Hoffnung für acht Vermisste

Neuseelands Ureinwohner nennen ihn Whakaari: den „dramatischen Vulkan“. Am Montag, als Touristen darauf herumwandern, bricht er plötzlich aus. Eine riesige Aschewolke steigt in den Himmel. Die Polizei hat keine Hoffnung, noch Überlebende zu finden.

Laut Polizei befanden sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs etwa 50 Menschen auf der Insel.
© AFP/APA

Wellington — Nach dem Vulkanausbruch in Neuseeland fehlt von acht Menschen noch jede Spur. Ein Polizeivertreter sagte am Dienstag (Ortszeit), unter den Vermissten seien Touristen aus Australien, Großbritannien, Malaysia und den USA. Es gebe keine Hinweise darauf, dass sie den Vulkanausbruch überlebt hätten, sagte der Polizeivertreter.

Nach Angaben der Polizei befanden sich 47 Menschen auf der Insel White Island, als der Vulkan ausbrach. "31 Menschen befinden sich derzeit im Krankenhaus, weitere acht werden noch vermisst, und drei wurden aus dem Krankenhaus entlassen", sagte der Polizeivertreter Bruce Bird.

Zuvor war von fünf Toten und mehr als 20 Vermissten die Rede.

Keine Hinweise auf österreichische Touristen

Nach Auskunft der Außenministeriums in Wien liegen bisher keine Hinweise vor, dass auch Österreich zu Schaden gekommen sein könnten, sagte Ministeriumssprecher Peter Guschelbauer.

Ansonsten ist über die Nationalität der Toten bisher nur wenig bekannt. National Operation Commander Deputy Commissioner John Tim erklärte bei einer Pressekonferenz, dass Neuseeländer und Touristen unter den Opfern seien. Ein Toter sei ein erfahrener neuseeländischer Tourguide. Laut Medienberichten kamen mehrere Ausflugsgäste vom Kreuzfahrtschiff "Ovation of the Seas". Die Reederei habe eine entsprechende Liste an die Rettungskräfte und Behörden übermittelt. Laut einem australischen Medienbericht sollen sich auch 24 Australier auf der Insel befunden haben. Die Urlaubergruppe wurde auf einer Bootstour zur der Insel von der Naturkatastrophe überrascht.

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Amerikaner filmte Ausbruch mit Boot

Auf Bildern einer Beobachtungskamera ist zu sehen, wie sich kurz zuvor noch eine größere Gruppe von Wanderern in unmittelbarer Nähe des Kraters aufhält. Dann wird die Kamera schwarz.

Der US-Amerikaner Michael Schade, der White Island gerade verlassen hatte, filmte den Ausbruch vom Boot aus mit seinem Handy. Zu sehen ist, wie die Aschewolke viele Hundert Meter hoch in den Himmel steigt. Schaper sagte: „Ich war einfach nur geschockt. Dann hat das Boot kehrtgemacht, und wir haben einige Leute aufgenommen, die an der Pier standen."

An der Küste ließ sich Premierministerin Jacinda Ardern über den Stand der Suche informieren. Auf die Frage nach weiteren möglichen Todesopfern sagte sie: „Wir haben derzeit noch keine volle Klarheit. Wir wollen jetzt nicht spekulieren."

Service

Inzwischen richtete die Polizei eine Rufnummer ein, unter der man sich aus dem Ausland nach dem Verbleib von Angehörigen informieren kann. Die Nummer lautet: +64 9105 105.

Letzter großer Ausbruch war 2016

White Island liegt im Nordosten von Neuseelands Nordinsel, etwa 50 Kilometer von der Küste entfernt. Selbst von dort war die riesige Aschewolke zu sehen. Der letzte größere Ausbruch war 2016. Damals wurde niemand verletzt. In den vergangenen Wochen war jedoch wieder verstärkte Aktivität bemerkt worden. Dies führte aber nicht zu, dass die Touren verboten wurden. Das Betreten ist grundsätzlich nur im Beisein von ausgebildeten Führern erlaubt. Die Insel befindet sich in Privatbesitz.

Bei Neuseelands Ureinwohnern, den Maori, heißt der Vulkan Te Puia O Whakaari. Das bedeutet: „Der dramatische Vulkan". Die Insel ragt etwa 320 Meter in die Höhe. Der weitaus größte Teil des Vulkans ist unter Wasser.

Mehrere Unternehmen bieten von der Küste aus Tagestouren mit dem Boot an. Pro Jahr wird die Insel von etwa 10.000 Ausflüglern besucht. Die „Weiße Insel" wurde 1769 von dem britischen Seefahrer James Cook entdeckt, der ihr auch den Namen gab. Grund dafür war, dass White Island ständig in einer Wolke von weißem Dampf und Rauch erschien. Cook ahnte jedoch offenbar nicht, dass sich dahinter ein Vulkan verbirgt.

Die Tagestouren, bei denen man einen Blick ins Innere der Erde werfen kann, sind sehr beliebt. Neuseeland liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Auch Erdbeben sind dort keine Seltenheit.

In der Stadt Christchurch kamen bei einem Beben im Februar 2011 mehr als 180 Menschen ums Leben. (dpa, APA, AFP, TT.com)

Am 9. Dezember 2019 brach der Vulkan auf White Island in Neuseeland aus.
© APA/AFP

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