Kufsteiner Feuerwehrchef glänzte als Taubenflüsterer

Wie viel ist das Leben einer Stadttaube wert? Eine Frage, die gestern in Kufstein individuell mit einer Reichweite von „nicht einmal einen K...

Kufsteins Feuerwehrkommandant rückte für die Rettung der im Liftschacht gefangenen Taube aus.
© Hrdina

Wie viel ist das Leben einer Stadttaube wert? Eine Frage, die gestern in Kufstein individuell mit einer Reichweite von „nicht einmal einen Kommentar" bis hin zum persönlichen Körpereinsatz beantwortet wurde. Eine Exemplar hatte sich am Bahnhof in den Liftschacht verirrt. Zwischen Kabine und Glaswand hockte der Vogel in sich zusammengekauert, ein Ausweg war nicht erkennbar.

Eine ÖBB-Kundin bemerkte das Federvieh am frühen Nachmittag und wandte sich an den Schalter. „Dort zeigte man sich von der Situation des Tieres aber wenig beeindruckt", schildert die Wörglerin. Auch wenn Tauben keine gern gesehenen Gesellen sind, „alle Lebewesen verdienen unseren Respekt, auch wenn wir ihren Sinn nicht immer erkennen".

So suchte die Tierfreundin Rat bei der Stadtfeuerwehr. Mit dieser Reaktion auf ihren Anruf hätte aber auch sie nicht gerechnet: Für die Rettungsaktion rückte nämlich der Chef persönlich aus. „Normalerweise ist das nicht unsere Aufgabe, aber sofern es gerade keinen anderen Alarm gibt, helfen wir gerne", sagte Kommandant Hans-Peter Wohlschlager im TT-Gespräch. Anders sah dies offenbar der ÖBB-Mitarbeiter vor Ort, der dem Feuerwehrkommandanten sogar die Untertstützung verweigerte und die Szenerie schimpfend verließ.

Wohlschlager aber zeigte sich beherzt und stemmte sich mit aller Kraft in die Lifttür, um sie aufzuspreizen und ... nichts. Der Vogel blieb sitzen, ließ sich weder von der Verlockung der Freiheit noch vom Klopfen an die Fensterscheibe beeindrucken. Das wilde Wedeln mit einem Schal und aufmunternde Worte wurden keines Blickes gewürdigt. Für Neo-Tauben-Flüsterer Wohlschlager stand fest: Eine lange Stange muss her, der Vogel zu seinem Glück gezwungen werden. Und es kam, als wäre der Bahnhof eine Bühne, das Stück eine Komödie: Just, als der Retter mit dem Werkzeug um die Ecke bog, erinnerte sich die Gefangene offenbar ihrer Flugfähigkeit und verließ den Liftschacht. „Ein Klassiker", lachte der Feuerwehrchef über den geglückten Einsatz, der der Taube letztlich doch noch ein „Gurrrrr" wert war.

Freude auch bei der Tierfreundin, Wermutstropfen bleiben die negativen Reaktionen. „Wäre es ein Hund gewesen, hätte das anders ausgesehen." (jazz)

Kommandant Hans-Peter Wohlschlager.
© Hrdina

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