Die gute Geschichte: Ali, die grünen Ampeln und das Rote Kreuz

Wie ein afghanischer Flüchtling seinen Platz in Tirol fand: Seit diesem Oktober arbeitet Qudratullah, genannt Ali, Vollzeit für das Rote Kreuz in Zirl.

Qudratullah Alizai ist seit Oktober diesen Jahres festangestellter Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Zirl.
© Rotes Kreuz Tirol/Ostermann

Zirl –Als Qudratullah Alizais Flucht aus Afghanistan im Juli 2013 in Zirl ihr Ende nahm, wusste er nicht, was der Neubeginn in einem ihm gänzlich unbekannten Land bringen wird. Um der Tristesse des Wartens im Flüchtlingsheim zu entkommen, begann er Deutsch zu lernen. Und gleich noch drei Sprachen dazu, denn Zeit war das, was ihm noch geblieben war.

Doch Qudratullah suchte nach einer weiteren Beschäftigung, denn 24 Stunden Warten, das macht mürbe. Auf Rat eines Freundes ging er eines Tages zur Dienststelle Zirl des Roten Kreuzes. Dort war er mehr als willkommen und bereicherte als freiwilliger Mitarbeiter das Rotkreuz-Team. Bis zu 180 Stunden pro Monat arbeitete er ehrenamtlich mit und fühlte sich immer wohler in der Rotkreuz-Familie. Weil die Rotkreuz-Mitarbeiter seinen Vornamen nicht gut aussprechen konnten, nannten sie ihn ab jetzt einfach Ali.

Zweimal wurde sein Asylgesuch abgelehnt. Er gab aber nicht auf, bemühte sich weiter und wurde schließlich mit einem positiven Bescheid belohnt. „Das war am 12. August 2019“, sagt Ali. Den Tag wird er nicht mehr vergessen, denn jetzt war es ihm, der in seiner Heimat Jus studiert hatte, möglich, berufstätig zu werden.

Seit diesem Oktober arbeitet er Vollzeit für das Rote Kreuz in Zirl und ist im betreuten Fahrdienst tätig. Bis zu 200 Kilometer am Tag legt er mit seinen Klienten zurück, die er von daheim ins Spital oder in die Tagesheimstätte bringt – und abends wieder zurück nach Hause. Es sind alte Menschen, solche mit einer mentalen oder körperlichen Beeinträchtigung, oft auch Demente. Diese erinnern sich nicht immer an alles, außer an Ali, erzählen seine Kollegen. Denn ihn kennen sie und freuen sich, wenn Ali sie betreut.

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Jeden Tag erlebt er mit seinen Fahrgästen neue Geschichten. Manche sprechen nicht viel, andere sprechen unentwegt und einige erzählen ihm auch täglich die gleiche Geschichte. Ali hört zu, denn Ali ist für seine Klienten da. Noch ist er selbst Beifahrer im Auto, denn sein afghanischer Führerschein muss erst umgeschrieben werden. Ist es so weit, wird er noch mehr über eine ihm liebgewonnene Stammklientin schmunzeln, die jede Ampel mit „ist grün“ kommentiert, wenn diese Grün anzeigt.

Ali holt täglich Menschen von zu Hause ab und bringt sie wieder heim. Geboren ist er in Afghanistan, seine zweite Heimat ist Tirol geworden. Er selbst ist auf der Suche nach einer Wohnung in Zirl und hofft, bald eine zu finden. Dann hat er nicht nur eine zweite Heimat, sondern auch sein eigenes Zuhause gefunden. (TT)


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