Jäger erschoss „betrunkenen“ Waschbären vom Erfurter Weihnachtsmarkt

Erst hieß es, ein betrunkener Waschbär habe sich auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt herumgetrieben und sei ins Tierheim gebracht worden. Jetzt wurde bekannt: Der Streuner wurde erschossen.

Der Waschbär war nie im Tierheim angekommen.
© Screenshot

Erfurt – Noch am Sonntag wurde gerätselt: Was war los mit dem offensichtlich orientierungslosen Waschbären, der über den Erfurter Weihnachtsmarkt torkelte? Hatte er zu viel an weggeworfenen Glühwein-Bechern genippt?

Das Tier sei „offensichtlich alkoholisiert“ gewesen, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dpa. Man habe es in ein Tierheim gebracht. Inzwischen stellt sich der Sachverhalt etwas anders dar: Der Waschbär sei nicht gerettet, sondern erschossen worden, berichtet der MDR Thüringen unter Berufung auf einen Tierheim-Sprecher.

Begründung: „Das Tier ist eine Plage“

Der Waschbär sei erschöpft gewesen und habe sich am Samstagmittag vor dem Erfurter Rathaus unter einem Mülleimer ausgeruht. Später habe er sich aufgerappelt und sei verwirrt durch die Gegend gelaufen. Ein Security-Mitarbeiter des Weihnachtsmarktes habe ihn auf den Stufen eines Hauseingangs gefunden und die Feuerwehr alarmiert.

Wie das Tierheim auf seiner Facebook-Seite mitteilte, soll daraufhin der Stadtjäger den Waschbären bei der Feuerwehr abgeholt und dann erschossen haben. Bei Twitter entbrannte daraufhin eine hitzige Debatte über den Tod des Tieres. Als Begründung des Jägers gab das Tierheim zu Protokoll: „Der Waschbär ist eine Plage.“ Der Facebook-Post wurde mittlerweile gelöscht.

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Keine Anzeichen für eine Krankheit entdeckt

Waschbären stehen in Deutschland nicht unter Naturschutz, sie dürfen gejagt werden. Allerdings dürfen sie nicht in Städten und Gemeinden getötet werden. Im Jagdjahr 2017/2018 wurden laut Deutschem Jagdverband bundesweit 172.549 Waschbären getötet.

„Der Waschbär steht auf der EU-Liste der invasiven Arten“, sagte Sprecher der Stadt, Daniel Baumbach. Gemäß einer EU-Verordnung müsse der Bestand eingedämmt werden – daher der Abschuss. Waschbären gelten als Gefahr für heimische Tierarten, etwa für Schlangen und Vögel, sie könnten „auch heftige Infektionskrankheiten in sich tragen. Das Staupevirus rafft etwa auch Hunde und Katzen dahin“, so Baumbach.

Dass ein Waschbär wie am Samstag durch die Besuchermassen torkelte, sei ungewöhnlich, betonte Baumbach. Die Jagdbehörde habe aber kein Anzeichen für eine Krankheit entdeckt. Nach Auffassung der Behörde sei denkbar, dass das Tier Alkohol zu sich genommen habe. Möglicherweise habe es aber auch Rattengift gefressen.

Feuerwehr beschimpft

Nachdem die Tötung des Waschbären bekannt geworden ist, habe es etwa bei der Feuerwehr Anrufe mit Beschimpfungen gegeben, sagte Baumbach. Auch in sozialen Netzwerken wurde heftig über den Fall diskutiert.

Der Naturschutzbund (Nabu) Thüringen verweist derweil darauf, dass die Jagd auf Waschbären einer Sisyphusarbeit gleich komme. Die Bestandsdichte des Waschbären „wird man nicht durch Bejagung dezimieren können“. Dabei spiele es keine Rolle, ob es um Waschbären gehe, die in der Stadt oder andernorts lebten, sagte Nabu-Sprecher Jürgen Ehrhardt. (TT.com)


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