Hussl löste Olympia-Ticket: „Keine Gefahr, dass die Luft heraußen ist“

Der Terfener Segler 49er-David Hussl darf mit Partner Benjamin Bildstein (Vorarlberg) zu Olympia 2020 – und will sich nicht damit zufrieden geben.

Bildstein/Hussl nahmen erfolgreich Kurs auf Olympia.
© SAILING ENERGY/Martinez

Platz sechs bei der Segel-WM vor Auckland (NZL) bedeutete den Olympia-Startplatz. Fiel der ganze Druck von Ihnen ab?

Hussl: Wir haben sieben Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet, drei davon wirklich intensiv. Das Erlebte müssen wir erst einmal verdauen.

Der Rückstand auf einen Medaillenplatz war beträchtlich. War das kalkuliert?

Hussl: Für uns war nicht die Medaille das große Ziel, sondern der Olympia-Startplatz. Als wir den in der vorletzten Wettfahrt fix hatten, waren wir nicht mehr so fokussiert.

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Es ging also darum, kein Risiko einzugehen?

Hussl: In gewisser Weise ja. Wir haben im Gewässer vor Auckland lange trainiert, bei der WM war alles anders: Die Wellen waren choppy, wie wir das sagen, also kurz und spitz. Da sticht man schnell einmal mit dem Bug ein.

Wie schwer ist es, mit dem Druck umzugehen? Immerhin geht es um ein Vier-Jahres-Projekt?

Hussl: Wir wussten, dass es sich für einen Startplatz nur unter den Top Ten ausgehen würde. Die Kunst ist es, sich nichts zu leisten. Wir begannen stark, lagen am zweiten Tag vorne – und haben dann unseren Bonus verspielt. Auch 18 Wettfahrten ist die Konstanz extrem wichtig.

Von wem erhielten Sie beide wertvolle Tipps?

Hussl: Wir sind mit den beiden Nickos (Nico Delle-Karth/Tirol und Niko Resch/Kärnten, Ex-49er-Segler und Olympia-Vierte, Anm.) regelmäßig in Kontakt. Diesmal war auch wieder Roman Hagara (Doppel-Olympiasieger Tornado, Anm.) mit dabei, da finden sich viele Anregungen. Eine seiner Lehren: „Man kann immer einen Fehler machen, aber das darf kein zweites Mal passieren.“

Tiroler Olympia-Kandidaten für Tokio 2020

Bereits qualifiziert: Segeln (49er): David Hussl (Vorschoter – er tritt mit Steuermann Benjamin Bildstein/Vbg. an); Sportklettern: Jakob Schubert; Triathlon: Luis Knabl

Gute Chancen: Golf: Christine Wolf; Judo: Bernadette Graf, Kathrin Unterwurzacher; Radsport, Mountainbike: Laura Stigger, Georg Raggl, Karl Markt (ein bis zwei Quotenplätze), Straße: Katharina Schweinberger; Reiten, Springen: Max Kühner; Ringen: Martina Kuenz; Schießen, Luftgewehr: Olivia Hofmann, Franziska Peer; Rhythmische Sportgymnastik: Nicol Ruprecht; Beachvolleyball: Martin Ermacora (mit Partner Moritz Pristauz/Stmk.)

Ungewiss: Boxen: Edin Avdic; Schwimmen: Bernhard Reitshammer (Limit fehlt noch); Ringen: Daniel Gastl, Michael Wagner; Radsport, Mountainbike: Max Foidl, Straße: Christina Schweinberger; Schießen, Luftgewehr: Nadine Ungerank

Jetzt wurde das erste Ziel erreicht – Sie und Ihr Steuermann Benjamin Bildstein dürfen in Tokio bei den Sommerspielen 2020 antreten. Besteht das Risiko, dass die Luft etwas heraußen ist?

Hussl: Diese Gefahr sehe ich nicht. Wir segeln auf hohem Level, und das macht uns Spaß. Es geht darum, das Erlebte zu verdauen und unsere Ziele zu verinnerlichen. Schon übernächste Woche haben wir ein Meeting in Neusiedl, bei dem es um die weitere Ausrichtung geht.

Das olympische Segelrevier in Enoshima sollten Sie beide gut kennen, bei den Preolympics gab es Platz zwei.

Hussl: Es ist wie so oft im Segeln: Man stellt sich auf etwas ein und im Wettkampf ist es dann ganz anders. Wir gehen wie immer offen an das Ganze heran.

Sie haben zwei Boote zur Auswahl. Ist es Geschmackssache, wofür Sie sich entscheiden?

Hussl: Wir setzen für Olympia auf unser WM-Boot, das bleibt jetzt im Container. Und für die WM setzen wir auf unser altes.

Wieso WM? Die fand doch gerade statt.

Hussl: Der Weltverband wollte die WM 2020 unbedingt vor Olympia – da blieb kein Termin offen.

Das Gespräch führte Florian Madl


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