Plansee und Piburger See als Archiv über 15.000 Jahre

Bohrkerne aus dem Piburger See und dem Plansee dienen einer Forschergruppe der Uni Innsbruck als Datierungshilfe für längst vergessene Erdbeben, Bergstürze und Starkniederschlagsereignisse.

Die Forscher waren auch am Piburger See auf den Spuren vorzeitlicher Erdbeben, die sogar Bergstürze auslösten.
© Uni Innsbruck

Von Alexander Paschinger

Oetz, Breitenwang –Heutzutage bleibt kaum ein Rüttler in und auf der Erde unbemerkt. Zu dicht sind inzwischen die Seismographen gesetzt. Das Beben des indonesischen Tsu­namis von 2004 wurde sogar in den Staumauern der Alpen registriert, ein 200.000-m³-Felssturz vom Oktober 2015 im Pollestal bei Längenfeld wäre ohne die empfindlichen Messinstrumente wohl länger unbemerkt geblieben.

Zur Abschätzung des Gefahrenpotenzials greift man auf historische Aufzeichnungen zurück. Blickt man in Österreich in die Geschichte von Erdbeben und Felsstürzen zurück, dann beginnen die Aufzeichnungen mit dem Beben am Katschberg vom 4. Mai 1201. In Tirol reichen die Berichte etwa 400 Jahre zurück, 1670 wurde das wohl schlimmste im Raum Innsbruck und Hall verzeichnet. Laut ZAMG finden in Tirol jährlich 14 Beben statt.

Ein von der Tiroler Wissenschaftsförderung unterstütztes Projekt am Institut für Geologie der Uni Innsbruck beschäftigt sich mit Beben und Starkniederschlagsereignissen seit Ende der Eiszeit. Auf schriftliche Zeugnisse können sie dabei kaum zurückgreifen – es steht allerdings ein anderes Archiv zur Verfügung. Ein geologisches – und das befindet sich tief im Boden einiger Seen. Der Achensee wurde bereits unter die Lupe genommen – derzeit beschäftigen sich die Forscher mit dem Piburger See am Eingang des Ötztals und dem Plansee im Außerfern. Die ersten Ergebnisse wurden beim Geoforum in Niederthai von Patrick Oswald unter dem Titel „Sedimente der Tiroler Seen als Archive für postglaziale Extremereignisse“ dem Fachpublikum vorgestellt. Dabei diente der Piburger See als Beispiel für Starkniederschläge. In den 12 Meter langen Bohrkernen waren etwa in 12 cm Kerntiefe die starken Niederschlagsperioden von 1867, 1876 oder 1877 ersichtlich. Oswald und sein Team sind überzeugt, im Plansee in einer oberen Schicht auf Auswirkungen des starken Erdbebens von Namlos im Jahr 1930 gestoßen zu sein.

Bohrkerne wurden auch am Plansee erstellt. Sie sind „ein extrem hochauflösendes Archiv“, so Patrick Oswald vom Forscher-Team.
© Uni Innsbruck

Hinweise auf weitere vorzeitliche Erdbebenereignisse haben die Innsbrucker in den Bohrkernen bereits entdeckt. „Die Sedimente im Piburger See und im Plansee sind ein extrem hochauflösendes Archiv – es ist ja jedes Jahr eine neue Ablagerungsschicht dazugekommen“, erklärt Oswald. Diese Schichten weisen auch organisches Material auf – mit der Radio-Carbon-Methode können diese Einträge auf plus/minus 25 Jahre datiert werden. „Und mit den beiden Seen steht uns somit ein geologisches Archiv zur Verfügung, das 12.000 bis 15.000 Jahre zurückgreift und nun ausgewertet wird“, sagt Oswald.

„Das Oberland mit den bekannten vorzeitlichen Bergstürzen wie Tschirgant, Köfels, Fernpass und Eibsee ist für uns besonders spannend“, erklärt der Geologe weiter. Und: „Gleichzeitig zu vielen dieser Bergstürze finden wir besondere Ablagerungen in unseren Seen, die auf starke Erdbeben hindeuten. Wenn die Erde bebt, können sich demnach große Bergstürze ereignen.“


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