Malerei zum Durchblättern

Lokalkolorit/Globalkolorit: Die beiden in Wien lebenden Exiltiroler Turi Werkner und Matthias Bernhard zeigen im Kunstpavillon Solo-Werke und Gemeinschaftsarbeiten.

Turi Werkner hat im Kunstpavillon seine Bücher auf Stehpulte gelegt, Matthias Bernhard seine Bilder an die Wände gehängt.
© tiroler künstlerschaft

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Allein schon die Einreichung, mit der sich die zwei von ihrem Alter und ihrem Tun her so unterschiedlichen Künstler Matthias Bernhard und Turi Werkner um eine gemeinsame Ausstellung im Kunstpavillon beworben haben, sei ein Kunstwerk, so Andrei Siclodi, der interimistische künstlerische Leiter der Tiroler Künstlerschaft. Deren Mitglied sowohl der 34-jährige Kitzbühler Damisch-Schüler Matthias Bernhard als auch der um 37 Jahre ältere Werkner sind. Dem die vollgeschriebenen bzw. -gemalten Hefte des Jüngeren aufgefallen sind, für den wiederum der Ältere seit Langem ein „großes Idol“ ist.

Das seit Jahrzehnten ausschließlich Bücher macht. Riesige und ganz kleine, während Bernhard auch, aber nicht nur Bücher malt. Um in den Kunstpavillon auch einige seiner gern riesigen Bilder zu hängen, während Werkner 30 seiner in Farbe getauchten Bücher auf Lesepulte gelegt hat. Neben 14 Exemplaren, die in einem höchst kreativen Pingpong der beiden Künstler entstanden sind. In einem Weitermalen des jeweils anderen, das kommentierend genauso wie übermalend und auch radikal auslöschend ausfallen kann.

Die ganze Welt ist in diesem ebenso lustvollen wie konzentrierten Tun das Thema, ist für Turi Werkner seine Malerei doch Ausdruck des „Widerstands gegen unerträgliche Anblicke“. Weite Assoziationsräume tun sich beim Blättern durch diese Bücher auf, die so originelle Titel wie „Sie will nur Haifischflossensuppe“ oder „Holländer in Flammen“ tragen. Oder „Die Absicht und ihre Rückseite“, wie das riesige, auf Viskose-Filz gemalte heißt, das aus insgesamt 55 Quadratmetern Malerei besteht.

„Bescheidene“ 27 Qua­dratmeter ist dagegen das Bild groß, das Matthias Bernhard für die Rückwand des Kunstpavillons nach Maß gemalt hat. Entstanden im Freien am Boden liegend vor dem Panorama des Wilden Kaisers, wie Bernhard sagt. Spuren von Regen und Wind genauso wie des eigenen Darübergehens wurden Teil dieser expressiven Malaktion, landschaftlich Assoziatives amalgamiert mit rein emotional besetzten Spuren und Strukturen.

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Werkner wie Bernhard lieben die Farbe als Ausdrucks- und Stimmungsträger. Wobei sich Bernhards Bilder bisweilen zu regelrechten Farbgebirgen auswachsen, die in einer oft skurrilen Mischung aus spontan Gesetztem und rein Bauchigem poppig bunt daherkommen, ohne eine konkrete Geschichte zu erzählen.

In einer großen Kiste hat Werkner im Kunstpavillon seinen klein zerschnippelten „Kunstmüll“ deponiert; zu haben um zehn Euro pro Portion.


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