Fachkräftemangel in Tirol: Koordinator soll Lehre „Turbo“ verleihen

Lehrlingskoordinator der Wirtschaftskammer soll Image der Lehre anheben und dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Autohändler Dieter Unterberger, Lehrlingskoordinator David Narr, Lehrling Eva Böhmer und WK-Präsident Christoph Walser (v. l.).
© WK

Innsbruck –Der Fachkräftemangel bleibt ein Dauerbrenner im Tiroler Wirtschafts­treiben. Fast 80 Prozent der Unternehmen stöhnen nach Angaben der Tiroler Wirtschaftskammer unter dem Fachkräftemangel, 2019 habe sich die Situation noch einmal verschärft. Zudem werde es „immer schwieriger, Lehrlinge zu finden, während wir gleichzeitig mehr Lehrlinge ausbilden sollten“, schilderte Tirols Autohandel-Gremialobmann Dieter Unterberger.

Zu den diversen Initiativen auf Bundes- und Landesebene, privat wie öffentlich, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, gesellt sich nun eine weitere dazu. Die Wirtschaftskammer Tirol installiert mit dem TyrolSkills-Leiter David Narr einen Lehrlingskoordinator. Er soll unter anderem die diversen Initiativen der einzelnen Fachgruppen innerhalb der Wirtschaftskammer für die Aufwertung der Lehre koordinieren.

Es gebe immer noch Ressentiments gegen die Lehre, meint Narr. Ein Hauptproblem sieht er darin, dass eine Lehre derzeit als Arbeit wahrgenommen wird, während Schule als Bildung gilt: „Damit muss man aufhören. Auch die Lehre muss als Bildung gesehen werden.“ Narr sieht seine Aufgabe auch darin, Unternehmen in Sachen Lehrlingsausbildung zu unterstützen und den Austausch mit Berufsschulen zu intensivieren.

Generell verfolgt die Wirtschaftskammer das Ansinnen, neben dem Bildungsweg Schule-Matura-Studium einen gleichwertigen, auf der Lehre basierenden Bildungsweg bis in höchste Qualifikationsstufen zu verankern. Ein solcher zweiter Bildungsweg sei in Ausarbeitung und im Regierungsprogramm festgesetzt, das derzeit Türkis-Grün in Wien verhandeln, sagte Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser. Denn aus seiner Sicht seien die Lehrlingszahlen auch deshalb zurückgegangen, weil Eltern oft die Gefahr sehen würden, dass es für ihre Kinder nach einer Lehre nicht mehr weitergehe. Der Koordinator soll helfen, der Lehre „einen Turbo zu verleihen“.

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Unterberger sieht auch Firmen in der Pflicht. „Man kann mit Lehrlingen nicht mehr so umgehen wie vor 15 Jahren. Wir Unternehmer müssen unser Verhalten den Lehrlingen gegenüber ändern und ihnen Respekt zollen.“ (mas)


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