Zu viele Gäste als Problem: „Noch kaum Rezepte gegen Übertourismus“

Österreich gehört zu den tourismusintensivsten Ländern der Welt. Lokale Überlastungen erfordern Destinationsmanagement, sagt das Wifo.

Der Übertourismus macht auch vor Österreich nicht Halt: In Hallstatt etwa kamen 2018 auf einen Einheimischen gut 124 Urlauber.
© iStock Editorial

Wien — Österreich zählt mit knapp 44,9 Millionen Ankünften im Verhältnis zur relativ kleinen Bevölkerung von knapp 9 Millionen zu den tourismusintensivsten Ländern weltweit. Etwa in Hallstadt oder Salzburg sieht man sich bereits mit einem Zuviel an Gästen konfrontiert. Doch der Übertourismus ist nur schwer in den Griff zu bekommen, zeigt eine Analyse der Wirtschaftsforscher des Wifo.

Während in Salzburg 11,9 Touristen auf einen Einwohner kommen, waren es in Hallstatt gut 124 Urlauber (ohne Tagestouristen). Damit war dort die Belastung pro Einwohner fast dreimal so stark wie in Dubrovnik (45,4) oder mehr als sechsmal so stark wie in Venedig (19,3), wie aus einem Vergleich der Tourismusintensität des Wifo in Europa hervorgeht. Das Problem potenziert sich in Hallstatt dadurch, dass viele Besucher nur einen kurzen Zwischenstopp für ein paar Fotos einlegen, also nicht einmal Geld für ein Mittagessen im Ort lassen. Doch auch in Tirol gibt es viele Orte mit einem Vielfachen an Gästen pro Einheimischen. So kommen in Längenfeld in der Wintersaison knapp 24 Gäste auf einen Einwohner, 15 Gäste auf jeden Kitzbüheler, in Ischgl sind es gar knapp 92 Touristen pro Einwohner.

Übertourismus sei jedoch eine sehr subjektive Definition, sagt Tourismusexperte Oliver Fritz vom Wifo der TT. Sobald die Infrastruktur einer Destination - oder auch die Geduld der Einwohner - übermäßig strapaziert wird, spreche man von von einem Zuviel an Tourismus. „Im Prinzip geht es darum, dass der Nutzen des Tourismus einem anderen Personenkreis zugutekommt als die Lasten des Tourismus, die sich auf die Bevölkerung vor Ort verteilen", sagt Fritz. So seien Hallstadt und die Einwohner von den Touristenströmen überfordert, während Tourismusorte in Tiroler Tälern ihre Infrastruktur darauf ausgelegt hätten. Doch auch in Tirol ist die Zahl jener, die sich ein Weniger an Tourismus wünschen zuletzt gestiegen, zeigte kürzlich eine Umfrage des MCI. Demnach schätzen zwar 98 Prozent der Tirolerinnen und Tiroler die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für das Land als hoch ein. Für 73 Prozent beeinträchtigt der touristische Verkehr aber die Lebensqualität. Fast jeder Fünfte wünscht sich weniger Urlauber im Land.

„Die Frage ist, wo ist der Gleichgewichtspunkt", betonte Fritz. Die Möglichkeiten die Besucherzahl zu regulieren seien zudem begrenzt. Dazu beitragen könnten unter anderem Beschränkungen der Bettenkapazitäten, ein Zurückfahren der Bewerbung, spezifische touristische Steuern, die zeitliche Umverteilung der Besucherströme und die Weiterentwicklung der Infrastruktur. Die Verteuerung von Eintritten sei wiederum „problematisch", weil weniger Wohlhabende ausgeschlossen würden.

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Hallstatt konnte zumindest das Tagesgästeaufkommen durch zeitliche Beschränkungen für Busse reduziert. In manchen Skiorten wird beispielsweise auch die Zahl der Tagesliftkarten limitiert.

Wesentlich sei letztlich „ein Überdenken der Wachstumsorientierung" in der Tourismuswirtschaft, betont das Wifo. Ziel sollte eine „nachhaltige Entwicklung" von Destinationen sein, damit diese als lebenswerte Orte erhalten blieben. (ecke, APA)


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