Neue Ära beginnt für Touristiker im Alpbachtal

Neuer Vorstand, neue Strategie. Der TVB Alpbachtal-Seenland will den Weltmarkt mit Alpbach als Galionsfigur erobern – trotz Gegenwind.

Obmann Gebhard Klingler, seine Stellvertreter Johann Heim und Markus Vögele sowie Aufsichtsratsvorsitzender Johann Hausberger (v. l.) starten im Vorstand mit neuem Markenauftritt durch.
© Grießenböck

Von Jasmine Hrdina

Alpbach — Viel Sitzfleisch mussten die 300 anwesenden Mitglieder des Tourismusverbandes Alpbachtal-Seenland bei der Vollversammlung samt Wahl am Dienstagabend mitbringen. Erst um Mitternacht — viereinhalb Stunden nach Beginn — waren alle Kreuzerln gemacht, die letzten Diskussionen beendet. In dem Alpbacher Unternehmer Gebhard Klingler haben die Touristiker mit großer Mehrheit den Nachfolger von Alt-Obmann Johannes Duftner gefunden. Ihm zur Seite stehen Johann Heim (Hotel Alphof, Alpbach) und Markus Vögele (Haflingerhof Kramsach). Johann Hausberger (Hotel zur Post, Alpbach) löst Frank Kostner als Aufsichtsratsvorsitzender ab. Stimmungsvoll war das Congress Centrum in Alpbach am Dienstagabend geschmückt. Offenbar derart, dass sich das Publikum ganz besinnlich gab und mit Wortmeldungen sparte. In den Wochen zuvor habe dies noch ganz anders ausgesehen, verrät ein Insider. Der neue Markenauftritt als „Alp bach tal" sorgte bei den Mitgliedern aus Ortschaften im Inntal für ordentlich Ärger. Immerhin besteche die Destination mit den vielen Seen, die vor allem in Kramsach und Breitenbach liegen, wie BM Bernhard Zisterer (Kramsach) erklärte: „Der Zusatz ,Seenland' hat schon seine Berechtigung gehabt." Die „demokratische Entscheidung" für den neuen Markennamen sei nun aber zu akzeptieren.

Auch Hannes Gang, ehemaliges Mitglied im Aufsichtsrat, wandte sich an die Versammlung. „Es geht auch um Marketing nach innen. Im alten Namen fand sich jede Region wieder", kritisierte er, dass nun eine neue alpbachlastige Identität über alle Ortschaften „einfach darübergestülpt" wird.

Der Verbandsname bleibe ja bestehen, argumentierte der zu dem Zeitpunkt noch amtierende Obmann Johannes Duftner. „Wir heißen immer noch Alpbachtal-Seenland." Als Marke sei der Name aber schwer zu verkaufen.

Diesen Punkt erläuterte Marketingexperte Christof Ettlmayr (Brandlogic) in einer ausführlichen Präsentation, zog dabei Serfaus-Fiss-Ladis mit dem Alleinstellungsmerkmal als Familienparadies zum Vergleich heran. „Die wurden 2005 auch einfach zusammengewürfelt. Glaubt ihr, die haben sich damals gemocht? Doch gemeinsam haben sie einen starken Auftritt entwickelt", plädierte er für ein Miteinander. „Das hat nichts mit Gemeindepolitik zu tun. Der Einzige, der entscheidet, ist der Gast."

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Volles Haus im Congress Centrum Alpbach: Rund 300 Mitglieder waren zur TVB-Vollversammlung erschienen.
© Hrdina

Und der nächtige vor allem in Alpbach (40 Prozent), gefolgt von Kramsach (19 Prozent). Bei der größten Internetsuchmaschine Google werde am häufigsten nach Alpbach, Reith. i. A. und Rattenberg („wegen dem Advent") und Kundl („wegen der Klamm") gesucht (insg. zwei Drittel aller Anfragen).

Der Vergleich mit Serfaus-Fiss-Ladis hinke, prangerte der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Frank Kostner an. Dort sei Tourismus in allen Orten vorherrschend, anders als etwa in Kundl oder Brandenberg. Außerdem habe man wenige professionell­e Großanbieter: 80 Prozent in der Region seien Vermieter von Privatzimmern.

Kostner sparte auch nicht mit Kritik an seinen Gremiumskollegen: „Eigennützige Meinungen" hätten Entscheidungen in den vergangenen fünf Jahren beeinflusst. „Der neue Weg, der heute präsentiert wurde, den kennen einige Funktionäre schon seit 10 Jahren. Weil sie sich getraut haben, das damals schon laut auszusprechen, wurden sie dafür geprügelt."

Mit Alpbach als Aushängeschild will man künftig mit weltweit bekannten Marken wie Toskana oder Kitzbühel mithalten können. „Ich will als Obmann das Bindeglied zwischen Alpbach und dem Rest der Region sein. Ich will Fortschritt statt Rückschritt", sagte der frisch gekürte Obmann Klingler. Einen Schlussstrich will er ziehen: „Wenn es möglich ist, dann ist der Tesl­a bald weg. Ich will nicht vor Gericht streiten, es soll Ruhe in der Region einkehren."


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